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Haptisches Lernen – Das mit dem „Berühren“

Veröffentlicht am 15.05.2018

Haptik? Was ist das denn schon wieder?

Wenn wir schon so vieles über das Lernen gelesen, gehört und gesehen haben, können wir uns kaum noch zurechtfinden, wen oder was wir alles berücksichtigen müssen, damit das Lernen bei unseren Kindern auch „richtig“ ist! Und jetzt kommt da noch die Haptik dazu! Bevor wir nun großartig in die Begriffsklärung einsteigen müssen: Das Wort ist aus der griechischen Sprache abgeleitet von >haptos< – fühlbar und >haptikos< – zum Berühren geeignet.
Viel spannender finde ich das wunderbare Wort „BEGREIFEN“. Wie aus schon älteren wissenschaftlichen Studien z. Teil aus den frühen vierziger und fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hervorging, kann man über etwas wesentlich besser nachdenken, wenn man es berührt hat – also im wahrsten Wortsinne begriffen hat. Die haptische Wahrnehmung unterscheidet sich von der taktilen Wahrnehmung, man erkundet etwas aktiv – man berührt. Bei der taktilen Wahrnehmung wird man berührt.

Berührung – ist hier die mechanische oder die emotionale gemeint?

Jeder, der ein wenig in sich hineinhört, wird das kennen: Etwas Gehörtes kann uns sehr direkt emotional berühren, ein Musikstück, ein Gedicht, eine Blume, ein Gesicht, ein Geruch …., die Liste kann beliebig erweitert werden. Wussten sie aber auch, dass durch das Berühren oder genauer das Anfühlen von rauem Sandpapier die Empathie, also die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen, messbar gesteigert wird?
In einer neueren Studie, die im Journal of Consumer Psychology unter dem Titel „Experiencing haptic roughness promotes empathy“ (experimentelle raue Haptik fördert Empathie) von C.Wang, R.Zhu & T.C.Handy im Juli 2016 zuerst veröffentlicht wurde, konnte dies nachgewiesen werden. In der Blindstudie, die Probanden wussten nichts über den eigentlichen Forschungsgegenstand, sollten diese Testfragen zum Sozialverhalten beantworten. Studienteilnehmer, die vorher ein „zufällig“ am Platz liegendes Stück rauen Sandpapiers „begriffen“ hatten, zeigten deutlich messbar mehr Empathie insbesondere für leidende Mitmenschen als die Vergleichsgruppe ohne das Tasterlebnis.
Die Forschungsgruppe erklärt das Ergebnis so: Durch das unangenehme Berührungsgefühl werde man generell für beschwerlichere Situationen und somit auch für das Leiden seiner Mitmenschen tiefer sensibilisiert. Auch diese Studie zeigte deutlich, wie nahe emotionale und körperliche Empfindungen miteinander verbunden sind und wie wenig wir uns über die Ursachen und Auslöser der meisten unserer Verhaltensweisen und (Vor-) Urteile im Klaren sind.

In der Werbung wird Haptik das gezielt genutzt

 In einem Artikel, der in der Fachzeitschrift „Horizont – Zeitung für Marketing, Werbung und Medien“ im Jahre 2006 unter dem Titel „Deutsche schätzen edle Hüllen“ veröffentlicht wurde, sagte Bernd Michael: „Die Verpackung ist die konzentrierteste Form der Marken-Idee und das im Haushalt am längsten wirkende Werbemittel. Sie ist keineswegs ein Stück Technik, sondern ein Stück unverwechselbare Markenwelt, das lebendige Gesicht einer Marke.“
Im weiteren Verlauf des Artikels von Marco Saal heißt es:
„Wie stark die Identifikation von Produkt und Verpackung ist, zeigt auch die FFI-Studie „Shopper 2011“. Die interviewten Konsumenten dachten bei der Nennung einer bestimmten Marke zu 67 Prozent in erster Linie an das Produkt selbst, aber zu 42 Prozent bereits an die Verpackung und nur zu 16 Prozent an die Werbung.“

In einer anderen Studie des SV-Institutes in Königstein aus dem Jahre 2012 mit dem Titel „Neurowissenschaftliche Studie zur Recall – Leistung von Print- und Onlinemedien“ stellten die Untersuchenden fest, dass bei der Erinnerungsleistung beim Abruf von gelernten Informationen die gleichen Hirnareale beteiligt waren, die auch der Speicherung dienen. Wurde eine Information haptisch und visuell gelernt, also zum Beispiel indem man ein Blatt Papier beim Lesen in den Händen hielt, blieb sie weit länger und besser in Erinnerung als eine die nur visuell, also beispielsweise auf einem Bildschirm wahrgenommen wurde.“
Eine weitere Studie des Datenanalyse Institutes Nielsen wurde in Deutschland 2012 mit 1500 Personen durchgeführt.Dabei wurde in fünf gleich große Gruppen unterteilt, denen E-Mails und Werbebriefe zugeschickt wurden. Jeweils eine Gruppe bekam >Briefe mit bedrucktem Umschlag<, >Briefe ohne bedruckten Umschlag<, >Self-Mailer (Briefe, die durch Etiketten oder Klebeklappen verschlossen sind)<, >Wrapper< und ein >E-Mailing< zugeschickt.

Das Ergebnis: An den bedruckten Briefumschlag erinnerten sich 35,8 Prozent, an den Wrapper – eine Werbeform, die in den USA gebräuchlich ist – 38,3 Prozent. An die E-Mail erinnerte sich gerade einmal jeder 20. Empfänger. Erstaunlicherweise bewerteten Personen zwischen 16 und 34 Jahren das E-Mailing deutlich häufiger als schlechteste Variante als Personen zwischen 55 und 65 Jahren.

Und was bedeutet das fürs Lernen? Der haptische Lerntyp

Was für das Lernen bei der Werbung gilt, hat natürlich die gleiche Auswirkung beim Lernen in Schule, Studium und Beruf. Aus Büchern oder anderen Papierformaten können wir deutlich effizienter lernen als mit Online–Medien. Das Anfassen, die Haptik macht den Unterschied. Wenn wir dann noch berücksichtigen, dass der Lernende ein Papier beschriften, unterstreichen, markieren, mit Randbemerkungen oder Kommentaren versehen kann, wird noch klarer, wieso die Papierform der rein visuellen deutlich überlegen ist.
Interessanterweise kam auch eine Studie an den Universitäten im „Silicon–Valley“ von vor vier Jahren zu dem gleichen Ergebnis. Zwar nutzen die Studierenden im „Elektronischen Paradies“ zum sehr hohen Prozentsatz elektronische Medien beim Lernen. Die Umfrage ergab jedoch, wenn sie etwas wichtiges Lernen sollten, drucken sie das zu Lernende auf Papier aus um es, wie vorher beschrieben, mit eigenen Kommentaren versehen zu können, zu unterstreichen usw. Die Studierenden bestätigten dies mit einer über 80%igen Mehrheit!

Ein „Nebenergebnis“ war auch, dass bei Nutzung eines Laptops oder Tablets in der Vorlesung weit weniger erinnert wurde, als bei den Studierenden, die sich auf Papier Notizen machten.

Online-Suchmaschine oder Buch

Wenig überraschend ist auch die gut untersuchte Erkenntnis, dass Suchen und Recherchen in Büchern weit besser erinnert, begriffen und somit verständlich angewendet werden kann. Klar, hat ein Schüler schnell die Antwort auf eine Frage parat: Frage in die Suchmaschine eintippen – und schon ist die Antwort da.
Doch der Weg zur Antwort bleibt unverstanden. Der Effekt, dass die Antwort auch genauso schnell wieder vergessen ist, wie sie gefunden wurde, ist längst wissenschaftlich in Untersuchungen dargelegt.

Dass ein vielbändiges Lexikonwerk sein gesamtes Wissen völlig neutral dem Lesenden zur Verfügung stellt und nicht ein auch auf materiellen Gewinn ausgerichteter Algorithmus mit Werbe-Einblendung ist, sei hier nur am Rande erwähnt. Was mich in diesem Zusammenhang immer mehr wundert, ist die Tatsache, dass in zunehmendem Maße Lehrer ihre Schüler mit der Aufgabe betrauen: “Googelt das mal zu Hause!“ Etwas lesen, möglicherweise noch Querverweisen folgen, eigene Notizen und Markierungen setzen können, DA findet lernen statt!

Jede „gute, alte“ Karteikarte, die beschrieben wird, ist dem Online–Lernen bei weitem überlegen!

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