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Legasthenie

Veröffentlicht am 09.09.2020

Legasthenie oder auch Lese-Rechtschreib-Schwäche/Störung (LRS) beschreibt eine stark unterdurchschnittlich ausgespräge Lese- und Rechtschreibfähigkeit. Wie Dyskalkulie, die Rechenschwäche, gilt auch hier, dass Betroffene weder unterdurchschnittlich Intelligent sind, noch ein zu geringes Maß an Beschulung erlebt haben. Es gibt also keinen richtigen Grund, warum LRS-Betroffene so große Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben.

Inzwischen kann gut belegt werden, dass die Fähigkeit, Laute zu unterscheiden bei LRS stark unterdurchschnittlich ausgeprägt ist. Da Wörter aus ein oder mehrere Laute bestehen und somit auch jeder Satz eine Lautanreihung darstellt, ist diese Fähigkeit fundamental beim Erlernen des Lesens und Schreibens.

Am effektivsten haben sich Übungen herausgestellt, die konkret Lesefähigkeiten und Schreibfähigkeiten trainieren. Klassische Deutsch-Grundlagenaufgaben also. Diese müssen allerdings in einer sehr hohen Intensität geübt werden

Über weitere Hintergründe sprechen wir in unserem ersten Livestream zum Thema am Dienstag, den 15. September auf Facebook um 18 Uhr.

In unserem zweiten Live-Stream gehen wir näher auf praktische Ratschläge und Tipps ein. Dieser findet am 22. September ebenfalls auf Facebook um 18 Uhr statt.

Stream Themen

Ursachen von LRS

LRS ist nach aktuellem Forschungsstand vor allem auf genetische Ursachen zurückzuführen. Wobei Umwelteinflüsse, also die Art und Weise des Aufwachsens, eine große Rolle dabei spielen, wie stark die Störung am Ende ausgeprägt sein wird. Wie elementar eine frühe störungsspezifische Förderung ist, zeigen viele Studien. Am besten sollte bereits in der 1. Klasse mit Legasthenie-Übungen begonnen werden!

Wie äußert sich LRS

LRS äußert sich durch viele Fehler beim leisen sowie lauten Lesen. Betroffene zeigen eine sehr viel langsamere Lesegeschwindigkeit und das Leseverständnis ist deutlich beeinträchtigt. So wirkt sich LRS nicht nur auf das Fach Deutsch, sondern auch auf Fremdsprachen und natürlich Mathematik sowie Naturwissenschaften aus. Vor allem in Mathe und Naturwissenschaften ist das Verstehen der Aufgaben oft wichtiger als die mathematische Operation. Außerdem bestehen massive Schwierigkeiten mit der Laut-Buchstaben-Beziehung. Also die Zuordnung, zu welchem Laut welcher Buchstabe gehört. Hinzu kommen erhebliche Schwierigkeiten bei der orthografisch richtigen Schreibweise von Wörtern bzw. Wortbestandteile. Ein typischer Fehler bei LRS ist zum Beispiel das Vertauschen von p und b, d und t, g und k oder m und n. Außerdem werden Wörter wie „Fuchs“, deren Rechtschreibung nicht klar vom Klang erkennbar ist, in unterschiedlichen Varianten (Fuxs, Fuks, Fugs) falsch geschrieben.

Auswirkungen von LRS auf die Psyche

Aufgrund der enormen Wichtigkeit von Lese-Rechtschreib-Kompetenzen beeinflusst LRS viele Lebensbereiche negativ. Betroffene entwickeln daher oftmals psychische Probleme, die sich in Angststörungen, Depressionen und gestörten Sozialverhalten äußern. Jedes fünfte Kind ist von ernsthaften psychischen Problemen betroffen, die hauptsächlich auf die Auswirkungen von LRS zurückzuführen sind!

Warum LRS nicht das Ende der Welt bedeutet!

Unser Rat ist deshalb, die negativen Auswirkungen der Störung nicht durch Stress und Druck zu erhöhen. Ja, LRS Betroffene werden wahrscheinlich nie so gut lesen und schreiben können wie gesunde Personen. Ein schlechtes oder gar gescheitertes Leben steht ihnen trotzdem nicht bevor. Die Liste mit überaus erfolgreichen Legasthenikern ist lang. Sie fängt bei Konzernchefs an (Ferdinand Piëch) und endet über Politikern (Bodo Ramelow) bei Schriftstellern (Agatha Christie). LRS sollte eher als Persönlichkeitseigenschaft anstatt als Problem behandelt werden. So sind es nicht die LRS-Übungen, sondern die ganz normalen Deutschübungen.

Welche Übungen helfen bei LRS – was sagt die Forschung?

LRS ist inzwischen gut wissenschaftlich erforscht. Man weiß, welche Übungen helfen und welche nicht. Überraschenderweise sind die besten Übungen weder kompliziert noch schwierig umzusetzen. Letztendlich müssen Legastheniker schlicht intensiv Deutschaufgaben üben.

Training der Lesefähigkeit

Ab der 1. Klasse sollten Kinder intensiv die Buchstaben-Laut-Verbindung trainieren. Also welcher Buchstaben gehört zu welchem Laut. Hierfür eignen sich Zuordnungsaufgaben besonders gut, bei denen das Kind Buchstaben zu repräsentativen Begriffen zuordnen müssen. Das „i“ gehört z.B. zum Indianer, das „o“ zum Ohr. Hier ein Arbeitsblatt mit entsprechender Aufgabe. (Arbeitblatt 1; Arbeitblatt 2)

In weiterführenden Übungen sollen Kinder nicht nur einzelne Laute, sondern Lautkombinationen, also Morpheme bzw. Silben erkennen und differenzieren. Hierzu sollen sie in Silben aufgeteilte Wörter (z.B. In-dia-ner) erst pro Silbe und dann als Ganzes vorlesen. (Arbeitsblatt)

Training der Rechtschreibfähigkeit

Darüber hinaus sollte der umgekehrte Weg frühzeitig geübt werden. Also welcher Laut gehört zu welchem Buchstaben. Dies fördert die Rechtschreibfähigkeit. Statt dass ein Buchstabe vorgegeben ist, der einem Laut zugeordnet werden soll, wird in diesem Fall ein Laut vorgegeben und der Buchstabe muss ermittelt werden (Arbeitsblatt 1; Arbeitsblatt 2).

Auch die Silben- und Morphemdifferenzierung sollte geübt werden. Sie stellt eine Erweiterung der vorherigen Übung dar. In solchen Aufgaben muss ein Wort in seine Silben aufgeteilt werden.  (Arbeitsblatt)

Während die vorgestellten, grundlegeden Übungen zur Lesefähigkeit die Interpretation von Buchstaben bzw. Silben als Laute trainiert, lernt ein betroffenes Kind bei den grundlegenden Übungen zur Rechtschreibfähigkeit die Interpretation von Lauten als Buchstabe bzw. Silben.

Weiterführende Aufgaben zur Rechtschreibfähigkeit konzentrieren sich auf das Erlernen und anwenden von orthografischen Regeln. Legastheniker müssen also sehr intensiv Rechtschreib- und Grammatikregeln üben.

Folgende Übungen helfen nachgewiesener Maßen nicht:

Hemisphärenstimulation

Hier werden Wörter im linken oder rechten Blickfeld dargeboten, um eine Korrektur der schlecht entwickelten Wortverarbeitung in der jeweiligen Gehirnhälfte zu kompensieren.

Irlen-Linsen

Irlen-Linsen sind farbige Brillengläser, die störende Anteile des Lichtsprektrums herausfiltern sollen und somit angeblich das Lesen vereinfachen.

Visuelles Wahrnehmungs- und Verarbeitungstraining

Training zur Verbesserung der Differenzierungsfähigkeit und Blicksteuerung sollen die visuellen Fähigkeiten verbessern und somit das erkennen von Buchstaben erleichtern.

Auditives Wahrnehmungs

Training zur Verbesserung der Tonhöhen-, Lautstärken- und Rhythmusunterscheidung sollen auditiven Fähigkeiten verbessern und somit das Erkennen von Lauten verbessern.

Alternativmedizinischen Methoden

Hierzu gehören: Homöopathie, Osteopathie, Kinesiologie sowie Bach-Blüten-Therapien.

Nahrungsergänzungsmittel

Eine ausgewogene Ernährung ist komplett ausreichend, damit ein Kind bzw. eine Person sein kognitives Potenzial ausschöpft.

Okklusionsbehandlung

Das Abdecken von einem Auge während des Lesens soll die binokulare Stabilität erhöhen.

Motorische Übungen

Training der Körperwahrnehmung und Koordination.

Wir empfehelen außerdem

Allgemein sollte Lernen ritualisiert werden. Statt dann und wann ein bisschen mehr oder weniger zu lernen, sollte jeden Tag (!) zur gleichen oder ähnlichen Zeit geübt werden. So umgeht man Aversionen des Kindes gegenüber Lernen, da die Lernzeit zum ganz normalen Alltag gehört und das Kind es gar nicht anders kennt.

Der Motivation zuträglich sind immer spielerische Elemente. Lese- oder Schreibwettbewerbe, kreative Aufgaben (Geschichtenerfinden) oder das Einbetten von Aufgaben in einer Geschichte.

Wie findet man gute Arbeitsblätter?

Die hier verlinkten Arbeitsblätter stammen von unterschiedlichen Quellen. Einige haben wir selbst entwickelt, andere sind frei verfügbar im Internet. Auf „arbeitsblaetter.org“ z.B. findet man viele Arbeitsblätter zum Thema LRS. Allerdings auch auf vielen anderen Seiten. Wir möchten betonen, dass sich nicht jedes Arbeitsblatt auf den verlinkten Webseiten zum LRS-Training eignet. Man muss stets prüfen, ob das Arbeitsblatt die hier vorgestellten Kriterien einhält. Wird Buchstaben-Laut-Zuordnung bzw. Laut-Buchstaben-Zuordnung mit dem Arbeitsblatt geübt? Muss man Silben trennen bzw. Silben lesen? Werden Rechtschreib- oder Grammatikregeln eingeübt? Eine kurze Internetsuche bietet da viele Möglichkeiten, aber auch viel Ramsch. Alternativ kann man die Arbeitsblätter auch einfach selbst erstellen.

Quellen

Galuschka, Katharina, and Gerd Schulte-Körne. „Diagnostik und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Lese-und/oder Rechtschreibstörung.“ Dtsch Arztebl Int 113 (2016): 279-86.

Schneider, Wolfgang. „Wege des Schriftspracherwerbs im Deutschen–Ein Fazit.“ Lesen und Schreiben lernen. Springer, Berlin, Heidelberg, 2017. 223-232

Steinbrink, Claudia, and Thomas Lachmann. Lese-Rechtschreibstörung: Grundlagen, Diagnostik, Intervention. Springer-Verlag, 2014.