Schule Archive | die hauslehrer https://www.hauslehrer.de/blog/category/schule/ Nachhilfe, die ankommt. Mon, 20 Apr 2026 23:04:02 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Schulverweigerung – was tun, wenn mein Kind nicht mehr zur Schule geht? https://www.hauslehrer.de/blog/schulverweigerung-was-tun-wenn-mein-kind-nicht-mehr-zur-schule-geht/ Tue, 21 Apr 2026 08:00:07 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=9682 Wenn Kinder morgens weinend im Bett liegen, über Bauchschmerzen klagen oder sich komplett weigern, in die Schule zu gehen, geraten viele Eltern in tiefe Sorge. Schulverweigerung trifft Familien oft unvorbereitet – und bringt Angst, Hilflosigkeit und Schuldgefühle mit sich. Viele Eltern stellen sich dann Fragen wie: Habe ich etwas übersehen? Habe ich etwas falsch gemacht? […]

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Wenn Kinder morgens weinend im Bett liegen, über Bauchschmerzen klagen oder sich komplett weigern, in die Schule zu gehen, geraten viele Eltern in tiefe Sorge. Schulverweigerung trifft Familien oft unvorbereitet – und bringt Angst, Hilflosigkeit und Schuldgefühle mit sich.

Viele Eltern stellen sich dann Fragen wie:
Habe ich etwas übersehen? Habe ich etwas falsch gemacht? Was passiert, wenn mein Kind dauerhaft nicht mehr zur Schule geht? Und vor allem: Wie kann ich meinem Kind wirklich helfen?

Aus unserer pädagogischen Praxis wissen wir: Schulverweigerung ist fast nie ein Ausdruck von Bequemlichkeit oder mangelnder Motivation. In den allermeisten Fällen ist sie ein deutliches Zeichen dafür, dass ein Kind oder Jugendlicher emotional, sozial oder schulisch stark überfordert ist.

Dieser Beitrag richtet sich an Eltern, die genau das erleben. Er erklärt verständlich, was Schulverweigerung ist, welche Ursachen dahinterstecken können, was Sie konkret tun können und wo Sie Unterstützung finden.

Was ist Schulverweigerung?

In der pädagogischen Arbeit zeigt sich immer wieder, dass Schulverweigerung selten plötzlich entsteht. Meist entwickelt sie sich über Wochen oder Monate. Oft gibt es eine Vorgeschichte aus steigender Anspannung, häufigen Krankmeldungen, wachsender Angst vor bestimmten Situationen oder zunehmender Frustration im Schulalltag.

Von Schulverweigerung spricht man, wenn Kinder oder Jugendliche wiederholt oder über längere Zeit nicht zur Schule gehen, ohne dass eine gewöhnliche körperliche Erkrankung vorliegt. Dabei handelt es sich nicht um gelegentliches Schwänzen, sondern um ein ernstzunehmendes Warnsignal.

Fachlich unterscheidet man mehrere Formen von Schulverweigerung.

  • Aktive Schulverweigerung
    Jugendliche verweigern den Schulbesuch bewusst, brechen Regeln, bleiben unentschuldigt fern oder geraten häufiger in Konflikte mit Lehrkräften und Eltern. Hinter diesem Verhalten stehen oft Frustration, schulisches Scheitern oder eine tiefe Ablehnung des Systems Schule.
  • Passive Schulverweigerung (Schulangst / Schulvermeidung)
    Hier möchten Kinder eigentlich zur Schule gehen, schaffen es aber emotional nicht mehr. Angst, Panik, depressive Symptome oder psychosomatische Beschwerden wie Übelkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen treten häufig auf. Besonders morgens kann die Situation stark eskalieren.
  • Schulabstinenz
    Dieser Begriff beschreibt allgemein längere Phasen, in denen Kinder oder Jugendliche nicht am Unterricht teilnehmen. Er umfasst verschiedene Formen der Schulvermeidung.

Warum verweigern Kinder die Schule? – Häufige Ursachen

Schulverweigerung hat fast nie nur einen einzelnen Auslöser. Meist wirken mehrere Belastungen gleichzeitig zusammen.

  • Psychische Belastungen und Schulangst
    Leistungsdruck, Versagensängste oder negative Erfahrungen im Unterricht können dazu führen, dass Schule als bedrohlicher Ort wahrgenommen wird. Besonders sensible Kinder reagieren darauf oft mit Rückzug oder körperlichen Symptomen.
  • Mobbing und soziale Ausgrenzung
    Wer täglich Angst vor Demütigung, Beleidigungen oder sozialer Isolation hat, entwickelt verständlicherweise den Wunsch, diesem Ort fernzubleiben. Mobbing ist eine der häufigsten Ursachen für Schulvermeidung.
  • Familiäre Belastungen
    Trennungen der Eltern, Erkrankungen, finanzielle Sorgen oder emotionale Spannungen in der Familie können Kinder stark belasten. Schule wird dann oft zum zusätzlichen Stressfaktor.
  • Über- oder Unterforderung
    Unerkannte Lernschwierigkeiten, Lese-Rechtschreib-Schwäche, AD(H)S, Autismus-Spektrum-Störungen oder auch Hochbegabung können zu massiver Frustration führen. Wenn Kinder dauerhaft das Gefühl haben, nicht mithalten zu können oder sich zu langweilen, verlieren sie zunehmend Motivation.
  • Pubertät und Sinnfragen
    Gerade Jugendliche beginnen, Autoritäten und gesellschaftliche Erwartungen infrage zu stellen. Schulverweigerung kann auch Ausdruck einer inneren Orientierungskrise sein.

Schulverweigerung in der Grundschule – besonders ernst nehmen

Wenn bereits Grundschulkinder die Schule verweigern, sollten Eltern besonders aufmerksam reagieren. In diesem Alter stehen häufig Trennungsängste, Überforderung beim Lernen, emotionale Unsicherheiten, Lernstörungen oder soziale Schwierigkeiten im Vordergrund.

Je früher Unterstützung einsetzt, desto besser lassen sich lange Leidenswege verhindern. Frühzeitige Hilfe kann verhindern, dass sich Schulangst verfestigt oder zu chronischer Schulvermeidung entwickelt.

Schulverweigerung: Was tun? – Erste wichtige Schritte für Eltern

  1. Beziehung vor Leistung stellen

Aus pädagogischer Sicht ist der wichtigste erste Schritt, den inneren Druck aus der Situation zu nehmen. Viele Kinder erleben bereits enormen Stress, wenn das Thema Schule angesprochen wird.

In unserer Praxis sehen wir immer wieder: Zwang, Drohungen oder tägliche Eskalationen verstärken die Blockade meist noch. Entwicklung wird erst möglich, wenn Kinder sich emotional sicher fühlen.

Hilfreiche Fragen können sein:

  • Was macht dir im Moment am meisten Angst?
  • Was ist in der Schule besonders schwer für dich?
  • Wann fühlst du dich dort unwohl?
  • Was würde dir helfen?

Ziel ist nicht, das Kind zu überzeugen – sondern zu verstehen.

  1. Hilfe annehmen – Sie müssen das nicht allein schaffen

Viele Familien versuchen zunächst, die Situation allein zu lösen. Dabei entlastet es spürbar, wenn frühzeitig schulische und außerschulische Fachstellen eingebunden werden:

Hilfreiche Ansprechpartner können sein:

  • Schulsozialarbeit
  • Schulpsychologischer Dienst
  • Erziehungs- und Familienberatungsstellen
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Psychotherapie
  • Spezialisierte Projekte für Schulverweigerung

Je früher Unterstützung einbezogen wird, desto größer ist die Chance auf einen stabilen und nachhaltigen Weg zurück in Bildung und Alltag.

  1. Individuelle Bildungswege ermöglichen

Nicht jedes Kind kann sofort wieder in den normalen Schulbetrieb zurückkehren. Manchmal braucht es Zwischenschritte, um Vertrauen und Stabilität wieder aufzubauen.

Mögliche Übergangslösungen sind zum Beispiel:

  • individuelle Nachhilfe oder Lernbegleitung
  • Teilbeschulung mit reduzierter Stundenzahl
  • Online-Unterricht
  • Hausunterricht bei medizinischer Indikation
  • alternative Schulprojekte oder Lerngruppen

Wichtig ist nicht die Geschwindigkeit der Rückkehr, sondern Stabilität für die Entwicklung des Kindes.

Hilfe für Eltern von schulverweigernden Kindern

In der Praxis zeigt sich immer wieder: Nicht nur die Kinder brauchen Unterstützung, sondern auch die Eltern. Viele suchen gezielt nach „Schulverweigerung Hilfe für Eltern“ – ein deutliches Zeichen dafür, wie belastend diese Situation für Familien sein kann.

Was Eltern stärken kann:

  • eine feste Tagesstruktur beibehalten
  • realistische Erwartungen entwickeln
  • emotionale Entlastung für sich selbst zulassen
  • Austausch mit anderen betroffenen Eltern
  • professionelle Beratung oder Begleitung
  • Geduld mit dem Prozess

Eltern dürfen müde, überfordert und ratlos sein – und trotzdem handlungsfähig bleiben.

Welche Bildungsangebote gibt es für Schulverweigerer?

Neben dem klassischen Schulweg gibt es verschiedene alternative Angebote.

  • Spezialisierte Schulen und Projekte
    Diese arbeiten häufig mit kleinen Gruppen, intensiver Beziehungsarbeit und sozialpädagogischer oder therapeutischer Unterstützung.
  • Hausunterricht
    Bei ärztlich attestierter Schulunfähigkeit kann Hausunterricht eine zeitlich begrenzte Lösung sein.
  • Online-Schulen und digitale Lernangebote
    Digitale Lernformen können ein sanfter Wiedereinstieg sein, besonders bei Schulangst oder langen Fehlzeiten.
  • Individuelle Lernbegleitung
    Eine 1-zu-1-Begleitung kann helfen, Vertrauen ins Lernen zurückzugewinnen und schulische Kompetenzen wieder aufzubauen.

Rechtliche Lage bei Schulverweigerung

In Deutschland besteht eine gesetzliche Schulpflicht. Anhaltende unentschuldigte Fehlzeiten können daher rechtliche Folgen haben, zum Beispiel:

  • Bußgelder
  • Einschaltung des Jugendamts
  • familiengerichtliche Maßnahmen

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung: Nachhaltige Lösungen entstehen durch Hilfe und nicht durch Druck. Entscheidend ist vielmehr, die Ursachen der Schulverweigerung zu verstehen und gemeinsam passende Wege zu finden.

Schulverweigerung ist ein Hilferuf

Schulverweigerung bedeutet nicht, dass ein Kind nicht lernen will.

Sehr oft bedeutet sie:
„Ich kann gerade nicht mehr.“

Wenn Eltern die Not ihres Kindes ernst nehmen, Beziehungen stärken und Unterstützung suchen, können auch scheinbar festgefahrene Situationen wieder in Bewegung kommen.

Es gibt Wege – und es gibt Hilfe.

Unsere pädagogische Erfahrung zeigt: Auch lang andauernde Schulverweigerung ist veränderbar, wenn die Ursachen ernst genommen, Beziehungen stabilisiert und individuelle Bildungswege ermöglicht werden.

Unterstützung bei Schulverweigerung
die hauslehrer – individuelle Lernbegleitung auch bei Schulverweigerung

Wir begleiten Kinder und Jugendliche in belastenden Schulsituationen mit maßgeschneiderter Lernförderung, intensiver Beziehungsarbeit und enger Abstimmung mit Eltern, Schulen und Fachstellen – auch dann, wenn Schule im Moment nicht möglich erscheint.

 

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Wenn der Stift zittert: Prüfungssorgen, Schulangst und Wege aus der Spirale https://www.hauslehrer.de/blog/wenn-der-stift-zittert-pruefungssorgen-schulangst-und-wege-aus-der-spirale/ Mon, 13 Apr 2026 08:00:40 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=9680 Zum Umgang mit Prüfungsangst – Ursachen, Symptome, Auswirkungen und Interventionsmöglichkeiten Prüfungen gehören für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende zum Bildungsalltag. Klassenarbeiten, Referate oder mündliche Prüfungen sind wichtige Leistungsnachweise und entscheiden häufig über Noten, Versetzungen oder Studienabschlüsse. Für viele Lernende sind solche Situationen jedoch mit starkem Stress verbunden. Während ein gewisses Maß an Nervosität vor einer […]

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Zum Umgang mit Prüfungsangst – Ursachen, Symptome, Auswirkungen und Interventionsmöglichkeiten

Prüfungen gehören für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende zum Bildungsalltag. Klassenarbeiten, Referate oder mündliche Prüfungen sind wichtige Leistungsnachweise und entscheiden häufig über Noten, Versetzungen oder Studienabschlüsse. Für viele Lernende sind solche Situationen jedoch mit starkem Stress verbunden. Während ein gewisses Maß an Nervosität vor einer Prüfung normal und sogar leistungsförderlich sein kann, erleben manche Kinder, Jugendliche oder Studierende eine ausgeprägte Prüfungsangst. Diese kann sich etwa durch körperliche Symptome, negative Gedanken äußern.

Prüfungsangst ist ein weit verbreitetes Phänomen und kann erhebliche Auswirkungen auf Lernprozesse, Motivation und schulische Leistungen haben. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Strategien und Methoden, um mit Prüfungsstress umzugehen und Prüfungsangst zu bewältigen.

Was ist Prüfungsangst?

Prüfungsangst (test anxiety) beschreibt eine Form der Leistungsangst, die in Situationen entsteht, in denen Menschen ihre Fähigkeiten unter Bewertung zeigen müssen. Dazu gehören beispielsweise Klassenarbeiten, mündliche Prüfungen, Referate oder wichtige Tests.

Vermutlich sind die allermeisten von uns mit diesem Phänomen schon einmal konfrontiert worden, so etwa laut einer Studie der IU Internationalen Hochschule (Erfurt)1 9 von 10. Dabei gaben 64,7 % aller Befragten an, Prüfungsangst im Zusammenhang mit Schule und Studium erlebt zu haben.

Grundsätzlich ist ein gewisses Maß an Nervosität vor einer Prüfung normal. Die Aktivierung des Körpers kann sogar hilfreich sein, weil sie Aufmerksamkeit und Konzentration steigert. Problematisch wird es jedoch, wenn die Angst so stark wird, dass sie das Denken, Lernen oder die Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt.

Als wissenschaftlich fundierte und zugleich griffige Definition mag etwa die von Fehm und Fydich aus dem Jahr 2022 dienen. Hier wird Examensangst verstanden als

„… anhaltende und deutlich spürbare Angst in Prüfungssituationen und/oder während der Zeit der Prüfungsvorbereitung, die den Bedingungen der Prüfungsvorbereitung und der Prüfung selbst nicht angemessen ist. Die Angst äußert sich auf den Ebenen Verhalten, Emotion, Kognition und Physiologie. Klinisch relevante Prüfungsängste liegen vor, wenn die Ängste das alltägliche Leben und/oder den Ausbildungsverlauf bzw. das berufliche Weiterkommen deutlich beeinträchtigen“ (Fehm & Fydich, 2022, S. 6).

Schon die Definition lässt deutlich werden, wie komplex und vielschichtig dieses Thema ist.

In vielen Fällen kommen zu den leistungsbezogenen Ängsten (insbes. Prüfungsangst) noch soziale Ängste hinzu, wie z. B. der Angst vor Ablehnung durch Lehrer und Mitschüler:Innen, Strafangst, Stigmatisierungsangst etc. All’ diese Formen von Ängsten werden auch unter dem Oberbegriff „Schulangst“ subsumiert, also einer ablehnenden Haltung, die mit der Institution Schule insgesamt assoziiert ist.

Typische Symptome von Prüfungsangst

Wie aus der oben genannten Definition hervorgeht, äußert sich Prüfungsangst auf unterschiedlichen Ebenen.

Emotionale Symptome

Am unmittelbarsten wird Prüfungsangst wohl auf der emotionalen Ebene wahrgenommen. Dabei kann unterschieden werden zwischen normaler Angst, begründeter Angst (etwa bei einer defizitären Prüfungsvorbereitung) und phobischer, d.h. unbegründeter Angst.

Häufig treten Gefühle wie Nervosität, Unsicherheit oder starke Anspannung auf. Manche Lernende berichten auch von emotional geprägten Empfindungen, wie Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder Minderwertigkeit.

Bei Personen mit Lernbehinderungen oder Teilleistungsschwächen (Dyskalkulie, Legasthenie) ist das Ausmaß der Angst naheliegenderweise besonders groß.

Kognitive Symptome

Auf der gedanklichen Ebene sind häufig negative Einstellungen und Zweifel an den eigenen Fähigkeiten zu beobachten. Betroffene denken beispielsweise:

  • „Ich schaffe das sowieso nicht.“
  • „Alle anderen sind besser vorbereitet.“
  • „Wenn ich versage, ist alles verloren.“

Solche Gedanken können sich schnell zu einer negativen Gedankenspirale entwickeln. Die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf mögliche Fehler oder negative Konsequenzen, wodurch die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe erschwert wird.

Körperliche Symptome

Neben den mentalen und emotionalen Reaktionen kommt es häufig zu einer körperlichen Stressreaktion mit den typischen, bekannten Symptomen wie Herzklopfen, Zittern, Schwitzen, Mundtrockenheit oder schneller Atmung. Ausgelöst werden diese physiologischen Reaktionen durch das vegetative Nervensystem, das unseren Körper durch die Ausschüttung von Stresshormonen, darunter Adrenalin und Cortisol, in einen Ausnahmezustand versetzt. Unsere angeborenen Urinstinkte möchten uns auf eine Flucht vorbereiten. Die Steuerung wird übernommen vom sog. limbischen System, dem „Gefühlszentrum“ unseres Gehirns, wogegen das rationale Denken, das ja für das erfolgreiche Bestehen einer Prüfung gerade entscheidend ist, weitgehend außer Kraft gesetzt wird. Im Extremfall kann es zum totalen Blackout oder zu Panikattacken kommen.

Verhaltensbezogene Symptome

Prüfungsangst kann auch das Verhalten beeinflussen. Manche Lernende beginnen beispielsweise, Prüfungen zu vermeiden oder sich nur unzureichend vorzubereiten.

Im Gegensatz dazu neigen wiederum andere, um ihre Ängste zu kompensieren, zu wohlgemeinten, aber nicht wirklich zielführenden Lernstrategien, wie übermäßigem oder zu detailliertem Lernen.

Ursachen von Prüfungsangst

Die Ursachen von Prüfungsangst sind vielfältig und entstehen meist aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. 

Natürlich existieren objektive und durch die äußeren Umstände bedingte Aspekte, die das Entstehen von Prüfungsängsten hervorrufen, wie etwa die Wichtigkeit mancher Prüfungen, sozialer und gesellschaftlicher Druck etc. Der so wahrgenommene Leistungsdruck führt dazu, dass Schülerinnen und Schüler häufig unter dem Eindruck stehen, gute Noten erreichen zu müssen, um Erwartungen von Eltern, Lehrkräften oder sich selbst zu erfüllen.

Daher werden Prüfungen oft als besonders bedrohliche Situationen wahrgenommen. Wenn zusätzlich ein starker Erwartungsdruck oder Konkurrenzdruck besteht, kann sich die Angst weiter verstärken.

Psychologische Ursachen

Wenn für manche Menschen Examensängste zu einem besonderen Problem werden, können die tieferen psychologischen Hintergründe hierfür sehr vielgestaltig und komplex sein.

Manchmal sind überhöhte Ansprüche an die eigene Leistung ein Grund. Ebenso können aber auch Selbstzweifel, ein geringes Selbstvertrauen, negative Denkmuster und Glaubenssätze einen entscheidenden Faktor darstellen. In vielen Fällen sind diese wiederum durch das familiäre Umfeld geprägt. Dem einen oder anderen sind bereits in seiner frühen Biografie solche negativen Selbstbilder etwa durch einen strengen und herabsetzenden Erziehungsstil der Eltern regelrecht „eingeimpft“ worden, so dass sie sich fest im Unterbewusstsein verankert haben. Manche Familien leiden unter einer Art „Bildungskomplex“, der an die Kinder weitervermittelt wird. Dies kann zu einer Überbewertung von Bildungserfolgen führen, die den subjektiv wahrgenommenen Leistungsdruck noch extrem verstärkt. Mitunter wird in einer Prüfungssituation sogar mit den Prüfenden, also etwa den Lehrkräften, unbewusst solch eine als übermächtig empfundene Elternfigur assoziiert.

Leider wird die Problematik manchmal noch durch die Entstehung eines Teufelskreises verschlimmert, insofern als in der Vergangenheit erlebte Misserfolge das negative Selbstbild verstärken und zur Erwartung auch zukünftiger Misserfolge führen.

Lernbezogene Ursachen

Ein weiterer wichtiger Faktor sind fehlende oder ineffektive Lernstrategien. Wenn Schülerinnen und Schüler nicht wissen, wie sie sich sinnvoll auf Prüfungen vorbereiten können, entsteht häufig Unsicherheit.

Unstrukturierte Lernprozesse, Zeitdruck oder mangelnde Lernorganisation können dazu führen, dass Lernende das Gefühl haben, nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Dies verstärkt wiederum Prüfungsstress und Angst.

Mangelnde Lernkompetenzen oder fehlende kognitive Lernstrategien können dazu beitragen, dass Lernende Schwierigkeiten haben, Inhalte zu verstehen oder langfristig zu behalten.

Auch für solche Defizite bei der Prüfungsvorbereitung und beim Erwerb von Fachwissen können individuelle entwicklungspsychologische Aspekte mit ursächlich sein, etwa wenn Schülerinnen / Schülern aufgrund einer zu großen Abhängigkeit von ihren Eltern in der Erziehung nicht genügend die Fähigkeit zur Eigenständigkeit vermittelt wurde.

Auswirkungen von Prüfungsangst auf Lernen und Leistung

Prüfungsangst hat nicht nur kurzfristige Auswirkungen auf einzelne Prüfungen, sondern kann langfristig auch den gesamten Lernprozess beeinflussen.

Konzentrationsprobleme und Lernblockaden

Häufig führt Prüfungsangst zu Konzentrationsproblemen. Wenn ein großer Teil der Aufmerksamkeit auf Sorgen oder negative Gedanken gerichtet ist, bleibt weniger mentale Kapazität für die Beschäftigung mit den eigentlichen, fachbezogenen Prüfungsinhalten. In einigen Fällen entstehen Lernblockaden, also psychische Barrieren, die die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Lernstoff oder den Abruf von Wissen trotz intensiver Vorbereitung erschweren. Im Extremfall kann der Stress in einer Prüfungssituation ein völliges Blackout hervorrufen.

Allerdings betrachten einige Quellen die Furcht vor Misserfolgen auch als eine Art „zweischneidiges Schwert“. Denn sie weisen darauf hin, dass sie nicht nur leistungshemmend, sondern unter Umständen auch leistungsfördernd wirken kann. Ob die positiven oder die negativen Auswirkungen überwiegen, hängt dabei in hohem Maße von der Leistungsattribution des Prüflings ab. Hierunter versteht man die subjektive Zuschreibung von Ursachen für den eigenen Erfolg oder Misserfolg. So können Prüfungsergebnisse auf interne Faktoren (z. B. Fähigkeit, Anstrengung) oder externe Faktoren (z. B. Aufgabenschwierigkeit, Zufall) zurückgeführt werden. Die Leistungsattribution beeinflusst maßgeblich, inwieweit Menschen konstruktiv oder destruktiv mit Misserfolgen umgehen und somit, wie stark sie sich künftig engagieren.

Im Allgemeinen wird aber davon ausgegangen, dass sich positive Emotionen eher fördernd und negative Emotionen, zu denen ja auch Ängste zählen, eher hemmend auf den Lernprozess auswirken.

Langfristige psychische Folgen

Wenn Prüfungsangst über einen längeren Zeitraum besteht, kann sie auch langfristige Auswirkungen haben. Dazu gehören beispielsweise:  Sinkende Motivation, zunehmende Schulvermeidung oder die Entwicklung von Schulangst.

In besonders ausgeprägten Fällen kann sich sogar eine Schulphobie entwickeln. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig Strategien zu entwickeln, um Prüfungsangst zu bewältigen.

Konkrete Konsequenzen in Hinblick auf die schulische und berufliche Karriere

Die indirekten, ganz konkreten mittel- und langfristigen Konsequenzen, die sich aus Leistungsdefiziten infolge von Prüfungsangst ergeben, können sehr weitreichend sein. Denn Schülerinnen / Schüler, die unter einer ausgeprägten Examensfurcht leiden, bestehen Prüfungen mitunter nicht oder mit einem Ergebnis, das deutlich schlechter ist als das, was sie eigentlich hätten erreichen können. Im Extremfall können hierdurch ganze Karrierepläne zunichte gemacht werden.

Dies kann last but not least auch finanzielle Auswirkungen haben. So erwähnten im Rahmen der bereits oben zitierten Kurzstudie der IU Internationalen Hochschule (Erfurt)1 als Folgen von Prüfungsangst, die Ihnen entstanden sind, 42,0 % der Befragten Mehrkosten (z. B. durch das Wiederholen von Prüfungen und dadurch verlängerte Schul- und Ausbildungszeiten) und 41,0 % das Nicht-Erreichen eines angestrebten Abschlusses. 21,3 % gaben an, dass sie aus diesem Grund einen bestimmten Schulabschluss nicht erreicht hätten. 26,8 % konnten nicht den ursprünglich von Ihnen gewünschten Beruf wählen und 13,0 % nicht das ursprünglich gewollte Studium.

All’ diese Zahlen zeigen, dass die Bedeutung dieses Phänomens definitiv nicht zu unterschätzen ist.

Strategien zum Umgang mit Prüfungsangst

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Prüfungsangst aktiv entgegenzuwirken. Dabei spielen sowohl Lernstrategien als auch mentale Techniken eine wichtige Rolle.

Effektive Lernmethoden

Wie oben beschrieben, kann das Gefühl der Unsicherheit durch unstrukturierte und ineffiziente Lernstrategien während der Phase der Prüfungsvorbereitung verstärkt werden. In diesem Fall ist die später in der Prüfungssituation selbst empfundene Furcht und Anspannung ja auch – realistisch betrachtet – nicht ganz unbegründet.

Hier kann also Abhilfe geschaffen werden durch eine planmäßige Optimierung der eigenen Lernstrategien. Dazu gehören etwa Maßnahmen, wie:

  • die Erstellung von Lernplänen, verbunden mit einem realistischen und guten Zeitmanagement
  • eine geeignete Portionierung des Lernstoffs
  • die bewusste Einplanung von Pausen
  • Wiederholungen in bestimmten, sinnvoll getimten Zeitabständen („Spaced Repetition“)
  • aktive Lernmethoden wie Zusammenfassungen oder Mindmaps („Active Recall“)
  • die Durchführung von Prüfungssimulationen

Dies setzt eine kritische Selbstreflexion der Lernenden in Hinblick auf die eigenen Lernstrategien voraus, um so ihre Lernmethodik entsprechend anpassen zu können („metakognitive Lernstrategien“).

Solche Vorgehensweisen fördern langfristig die Entwicklung von Lernkompetenzen und erhöhen das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Selbstregulation und mentale Strategien

Neben der fachlichen Vorbereitung ist auch der Umgang mit eigenen Gedanken und Emotionen entscheidend. Methoden der Selbstregulation helfen dabei, Stress und negative Gedanken besser zu kontrollieren.

Wichtig ist es, sich negative Glaubenssätze und falsche, selbstschädigende Denkmuster zunächst einmal bewusst zu machen (möglichst aufschreiben!), um sie anschließend besser relativieren und sie durch neue Einstellungen und Selbstbilder ersetzen zu können. Eine besonders geeignete Methode, um diese neu erworbenen positiven Sichtweisen besser zu verinnerlichen, ist die sog. Autosuggestion („Selbstbeeinflussung“), bei der das Unterbewusstsein durch das regelmäßige Wiederholen positiver Affirmationen (Glaubenssätze) gezielt positiv „programmiert“ wird. Sie kann gut mit Entspannungs- und Meditationstechniken [vgl. unten] kombiniert werden.

Auch Selbstmotivation spielt eine wichtige Rolle. Wenn Lernende ihre eigenen Fortschritte wahrnehmen und realistische Ziele setzen, stärkt dies das Selbstvertrauen.

Als eine sehr wirksame Methode zur Angstbewältigung hat sich auch das sog. Mentalisierungstraining bewährt. Hierbei werden Angstsituationen wiederholt in Gedanken durchgespielt, ohne dass die Panik in der Realität eintritt. Damit einhergehen sollte die Reflexion über den eigenen kognitiven und emotionalen Umgang mit der Situation sowie eine Neubewertung. Dadurch wird das Gehirn umprogrammiert und so die Angst reduziert.

Atem- und Entspannungsübungen

Neben kognitiven Strategien können auch verschiedene Entspannungsmethoden dabei helfen, Prüfungsstress zu reduzieren.

  • Atemübungen:

Atemübungen gehören zu den einfachsten und effektivsten Methoden zur Stressreduktion. Durch bewusstes, langsames Atmen kann die körperliche Stressreaktion reduziert werden.

Viele Lernende profitieren bereits von kurzen Atemübungen zur Entspannung, die wenige Minuten dauern und auch direkt vor einer Prüfung durchgeführt werden können.

Ein Kollege aus der ganzheitlichen Nachhilfe berichtete mir, dass er einer Schülerin, die panische Angst vor Mathematikprüfungen hatte, obwohl sie an sich nicht unbegabt war, allein durch Anwendung der Entspannungsübung Bauchatmung (Zwerchfellatmung) kurzfristig zu einem um zwei Noten besseren Ergebnis verholfen hatte.

  • Progressive Muskelentspannung:

Die progressive Muskelentspannung nach Jacobson ist eine weitere bewährte Methode. Dabei werden verschiedene Muskelgruppen nacheinander angespannt und wieder entspannt.

Diese Technik hilft dabei, körperliche Anspannung zu reduzieren und ein stärkeres Bewusstsein für den eigenen Körper zu entwickeln

  • Autogenes Training:

Hierbei lernen Teilnehmende durch wiederholte Formeln und mentale Übungen, ihren Körper gezielt zu entspannen.

Diese Methode kann insbesondere bei regelmäßiger Anwendung helfen, langfristig mit Stresssituationen besser umzugehen.

  • Kurze Entspannungsübungen unmittelbar vor der Prüfung:

Manchmal reichen bereits wenige Minuten, um das Stressniveau zu senken. Kurze Entspannungsübungen direkt vor einer Prüfung können helfen, die Aufmerksamkeit zu bündeln und die Nervosität zu reduzieren.

Beispiele dafür sind etwa kurze Atemübungen, leichte Dehnübungen oder kurze Visualisierungsübungen (Vorstellung von angenehmen, beruhigenden Bildern bei geschlossenen Augen).

Solche Methoden können auch in den Lernalltag integriert werden und tragen zu einem besseren Stressmanagement bei.

Wenn Lernende regelmäßig starke Angstreaktionen, Panikattacken oder massive Lernblockaden erleben, kann die Inanspruchnahme professioneller Unterstützung (psychologische Beratung, pädagogisches Coaching etc.) sinnvoll sein.

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Verwendete Literatur:

Fehm, Lydia; Fydrich, Thomas; Sommer, Klara: Prüfungsangst (Fortschritte der Psychotherapie). 2. überarb. Aufl. Göttingen: Hogrefe Verl., 2022.

Lexikon der Psychologie. Spektrum Akad. Verl., Heidelberg.

Planteu, Miriam: Angstfrei zum Erfolg. Eine Analyse von Bedingungen zur Minimierung von Prüfungsangst im schulischen Kontext in der Sekundarstufe II. MASTERARBEIT, eingereicht an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Mai 2024.

1 PRÜFUNGSANGST. DIE FAKTEN. Kurzstudie 2022. Zielgruppe: 1.600 Befragte zwischen 16 und 65 Jahren aus Deutschland; Repräsentativ nach Alter und Geschlecht. Hrsg.: IU Internationale Hochschule, Erfurt.

– Download-Link: https://www.iu.de/forschung/studien/pruefungsangst/

https://lexikon.stangl.eu/12794/pruefungsangst

Stangl, W. (2026, 8. März). Prüfungsangst – Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik.

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Lernen mit Freude und Leidenschaft – ein Weg zu besseren Lernerfolgen im Sinne der positiven Pädagogik https://www.hauslehrer.de/blog/lernen-mit-freude-und-leidenschaft-ein-weg-zu-besseren-lernerfolgen-im-sinne-der-positiven-paedagogik/ Fri, 09 Jan 2026 08:34:19 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=9658 Förderung nachhaltiger Lernergebnisse auf der Grundlage von Wohlbefinden, angenehmen Lernumgebungen und intrinsischer Motivation. Lustvolles Lernen? – Für viele Schülerinnen / Schüler ein Widerspruch in sich Lernen mit Lust und Freude – inwieweit ist dies unter den Bedingungen des klassischen staatlichen Schulsystems überhaupt möglich? Mag sein und es bleibt zu hoffen, dass es sie wirklich gibt, […]

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Förderung nachhaltiger Lernergebnisse auf der Grundlage von Wohlbefinden, angenehmen Lernumgebungen und intrinsischer Motivation.

Lustvolles Lernen? – Für viele Schülerinnen / Schüler ein Widerspruch in sich

Lernen mit Lust und Freude – inwieweit ist dies unter den Bedingungen des klassischen staatlichen Schulsystems überhaupt möglich? Mag sein und es bleibt zu hoffen, dass es sie wirklich gibt, die Spezies der hochmotivierten Schülerinnen und Schüler, die das Bildungsangebot des Regelschulbetriebs als echte Chance fürs Leben begreifen und denen Lernen mit Wissbegierde und Begeisterung nicht fremd ist. Tatsächlich empfinden aber wohl viele den Schulunterricht eher als eine Art lästiger Pflicht. Sie verbinden mit ihrem Schulalltag Aspekte, wie Notenstress, Prüfungsangst und Lehrplandruck. Auch in sozialer Hinsicht erzeugt unser vorherrschendes System unter den Mitschülerinnen / Mitschülern wohl mitunter mehr Konkurrenz als Kooperation.

Die Potenziale der Kindheit

Dabei tragen wir doch alle beginnend mit der frühen Kindheit Potenziale zur Lernbereitschaft in uns. Denn Neugier und Begeisterungsfähigkeit entsprechen eigentlich dem kindlichen Naturell. Kinder lassen sich leiten von ihrem natürlichen Drang, Wissenslücken zu schließen, den sie ja auch dringend benötigen, um die für sie noch fremde Welt zu erkunden. Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung belegen, dass 1/3 aller Menschen im Laufe Ihrer Kindheit zumindest vorübergehend ein ausgeprägtes Interesse für irgendein Thema entwickeln. Typische Beispiele für Objekte, die im Fokus kindlicher Neugier stehen, sind etwa Dinosaurier, andere, heute noch lebende Tiere (Insekten, Haustiere, Vögel, Fische …), Natur- und Wetterphänomene, Fahrzeuge etc. Als Anschauliche Metapher für den kindlichen Forschungsdrang dient oft der Vergleich der Interessensgebiete eines Kindes mit einem „Rabbit Hole“ (<dt.> Kaninchenbau), also einer Art verzweigtem Tunnelsystem, in dem sich nach Herzenslust buddeln und immer wieder Neues entdecken lässt. Könnte dies nicht eine mögliche „Blaupause“ auch für die Entwicklung von Lernstrategien im späteren Leben (Schule, Beruf, Alltag) darstellen? Liegen hier nicht gewaltige Chancen?

Die veränderte Lebensphase ab dem Schulbeginn

Leider bewirkt lt. Entwicklungspsychologen häufig ausgerechnet der Schuleintritt eine Eindämmung des angeborenen, kindlichen Erkenntnisdrangs.

Mögliche Gründe hierfür sind beispielsweise: zu starre vorgegebene Strukturen (Lernpläne etc.), zu wenig Zeit der Lehrkräfte, um auf individuelle Fragen und Interessen einzugehen. An die Stelle eigener (intrinsischer) Entdeckungsfreude treten extrinsische (von außen her gesteuerte) Lernmotivatoren, wie insbes. der durch Noten ausgeübte Druck und Zwang, oft damit verbundene Versagensängste etc. Zwar entspricht „Pflichtlernen“ dem Wesen des klassischen Schulbetriebes und lässt sich wohl nicht ganz vermeiden. Jedoch bringt Lernen mit Freude und aus eigenem Interesse mehr Wohlbefinden und erwiesenermaßen auch mehr Lernerfolg (höhere Behaltensquote, tiefere geistige Durchdringung eines Themas) hervor.

Immerhin versuchen moderne Pädagogen, solchen Aspekten auch im staatlichen Schulunterricht wenigstens teilweise Rechnung zu tragen, etwa durch die Förderung von Projektarbeiten oder die freie Auswahl von Referatsthemen.

Welche Prozesse vollziehen sich in unserem Gehirn, wenn Lernen auf Freude und hoher Eigenmotivation basiert?

Wie ein „Glücksbote“ wirkt der Neurotransmitter Dopamin, der vom menschlichen Gehirn (u. a. in der Substantia Nigra) bei der Erwartung und dem Erleben von Erfolg und Freude ausgeschüttet wird. Als interessant und wichtig erscheint, dass er nicht nur bei Belohnung, sondern vor allem bei der Aussicht auf Belohnung freigesetzt wird und uns so zu weiterer Aktivität und zum Verfolgen von Zielen antreibt (z. B. beim Sport, oder beim geistigen Erforschen von Sachverhalten). Es verstärkt die Aufmerksamkeit auf positive Aspekte, verankert Erfolgserlebnisse im Gedächtnis und schafft den Drang, weiterzumachen (Vorfreude). Verantwortlich für den Zustand der Euphorie beim Erreichen der angestrebten Ziele sind übrigens – entgegen früherer wissenschaftlicher Thesen – wiederum andere körpereigene Opiate und Hormone verantwortlich, wie z. B. das Oxytocin. In Bezug auf die Adaption von Bildung: fungiert Dopamin als Lernbeschleuniger. Intrinsische Motivatoren, die die Freisetzung von Dopamin stimulieren, sind z. B.: Neugier, Interesse und das Gefühl von Fortschritt und Selbstwirksamkeit. Ein weiterer, sich verstärkend auswirkender Aspekt in Hinblick auf die intrinsische Motivation ist gemäß der Selbstbestimmungstheorie (SDT) von Edward L. Deci und Richard M. Ryan für viele Lernende das Gefühl von Autonomie im Lernprozess: Lernen aus eigenem Antrieb anstatt unter Druck und Zwang. Nachweisliche Erfolgsfaktoren intrinsischer Lernmotivation sind eine tiefere Identifikation mit dem Lernstoff und bessere Behaltensleistungen. Die Leistungsbereitschaft wird insgesamt höher. Ein nicht zu unterschätzender Gesichtspunkt ist auch, dass Lernen mit Freude und aus eigenem Antrieb zu einer Steigerung des Wohlbefindens beim Lernenden führt und somit auch zumindest partiell seiner Lebensqualität.

Extrinsische Belohnungen (Noten, Leistungsnachweis, finanzieller Lohn) wirken dagegen oft nur kurzfristig oder können sogar kontraproduktiv sein, indem sie den Effekt intrinsischer Belohnungen überlagern und verdrängen. Einige Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen auch mit dem ansonsten auch aus der Volkswirtschaftslehre bekannten Begriff „Crowding-out-Effekt“ (<dt.> Verdrängungseffekt). Erst recht als verhängnisvoll erweisen sich naheliegenderweise negative extrinsische Einflussfaktoren, wie Druck, Angst oder Bestrafung. Hirnforscher, wie etwa der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther, beweisen auf der Grundlage von Hirnscans, dass Druck eine Blockade der Frontallappen erzeugt, die einem erfolgreichen Lernprozess entgegenwirkt.

Wie lässt sich Spaß am Lernen ganz konkret realisieren, insbesondere auch im außerschulischen Bereich und in der Nachhilfe?

Die Erfahrung lehrt und zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Entdeckung und Entfaltung von kreativen Potentialen am besten in angenehmen Lernumgebungen bei gelöster Stimmung, in freien Räumen mit unverplanter Zeit und auf der Grundlage beglückender Lernerfahrungen gelingt.

Ein weiterer wichtiger Faktor in Bezug auf Lerneffizienz ist ferner die soziale Interaktion. Als besonders förderlich haben sich Lernszenarien erwiesen, in denen Menschen mit unterschiedlichen, sich einander ergänzenden Fähigkeiten unter gegenseitiger Wertschätzung, also konkurrenzfrei, an gemeinsam gesetzten und von allen als wirklich erstrebenswert erachteten Zielen bzw. Visionen zusammenarbeiten. Der Wissenschaftler Dr. Olaf-Axel Burow, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel, bezeichnet solche Konstellationen als „Kreative Felder“.

Da unsere Möglichkeiten, auf die Unterrichtsgestaltung des staatlich reglementierten Schulsystems Einfluss zu nehmen, nun einmal recht begrenzt sind, welche konkreten Maßnahmen also können etwa Eltern, Therapeuten oder Nachhilfelehrkräfte ergreifen, um wenigstens im privaten, außerschulischen Umfeld, für Kinder und Jugendliche positiv besetzte, angenehme Lernumgebungen zu schaffen und deren Kreativität, Eigeninitiative und Neugier zu fördern?

Hier einige Anregungen:

  • Nahezu immer gut eignet sich der Einbau spielerischer Elemente in den Lernalltag. Denn sie kommen dem uns Menschen und insbesondere natürlich Kindern innewohnenden natürlichen Spieltrieb entgegen, wirken motivationssteigernd und präsentieren den Lernstoff in einer sympathischen, aufgelockerten Form. Beispiele: Die von verschiedenen Verlagen angebotenen Lernkartenspiele (fördern zugleich den sozialen Austausch), Lerncomics oder praktische Lernspiele bzw. Anschauungsmaterial. Dem Ansatz der positiven Pädagogik entsprechen besonders die über diverse Online-Shops erhältlichen Montessori Lernmaterialien (Multiplikationsbrett, Perlenstäbchen, Baukastensysteme etc.).
  • Lerninhalte in Fragen oder Geschichten „verpacken“: Fragen zu bestimmen Themengebieten, möglichst prägnant und offen formuliert (Warum? Wie? Welche Folge? Welche Annahmen? etc.), wirken aktivierend und wecken Neugier und Interesse. Beispielsweise wäre die Frage „Was würde mit unserer Welt passieren, wenn ein Supervulkan ausbrechen würde?“, sicherlich geeignet, um die kindliche Fantasie in die verzweigten Verästelungen eines oben erwähnten „Rabbit Hole“ einzutauchen zu lassen und in seinem Gehirn einen „Dopaminschub“ auszulösen.
    Eine ähnliche Funktion haben Geschichten, in die man die Lösung eines Konflikts oder eines konkreten fachlichen Problems kleiden kann. Hilfreich ist hierbei die Herstellung eines Bezuges zum Alltag oder zu vertrauten Situationen. Denn dies erhöht nicht nur die Anschaulichkeit, sondern schafft auch Assoziationen, die in unserem Gehirn Synapsen, also Verbindungsstellen zwischen den Neuronen (Nervenzellen), aktivieren. Zugleich fördert das Erfinden bzw. Erzählen von Geschichten auch den Active Recall (<dt.> „aktives Erinnern“), der zwar anstrengender, aber erwiesenermaßen in Bezug auf die Behaltensleistung viel effizienter ist als etwa das bloße Lesen von Fachinformationen.
    Hier stellvertretend ein konkretes Beispiel aus dem Bereich der Biologie (Zellaufbau):
    „Erzähle eine Geschichte von einer Reise durch eine Zelle, als wärst du ein Forscher, der durch den Zellplasma-See schwimmt, Organellen sind Städte (Zellkern die Rathausstadt, Mitochondrien die Kraftwerke, Ribosomen die Bäckereien). ⇒
     Aufgabe: Welche Funktionen haben die Stationen?“
  • Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen der / dem Lernenden und der Lehrperson. Gegenseitiges Vertrauen, emotionale Zugewandtheit der Lehrkraft und ein konstruktiver Umgang mit Fehlern schaffen ein Klima, das geeignet ist, das Selbstvertrauen der Schülerinnen / Schüler zu stärken, eigene Potenziale zu entdecken und eine positive Aufgeschlossenheit gegenüber dem Lernstoff zu erzeugen.
    Das Nachhilfeinstitut „die hauslehrer“ ist stets bestrebt, in seiner 1:1-Nachhilfe genau diese Art von Lernklima zu realisieren – individuell, unterstützend und wertschätzend.
  • Auch Formen sozialen Lernens, wie die Bildung von Lerngruppen, z. B. zischen Schulkameraden, Freunden, Nachbarn, Verwandten etc. können durchaus zielführend sein. Denn Schülern / Schülerinnen bereitet Lernen in Verbindung mit sozialer Interaktion oft mehr Freude als stundenlang „mutterseelenallein“ und stumm vor dem eigenen Schreibtisch zu sitzen. Auch kann ein gegenseitiger Austausch dem Verständnis und der Behaltensleistung durchaus förderlich sein. Im günstigsten Fall spornen sich die kooperierenden Schüler / Schülerinnen gegenseitig an und motivieren einander. Besteht nicht die Chance, dass hierbei im kleinen Rahmen „kreative Felder“ entstehen? Allerdings sollte bei der Zusammenstellung solcher Lerngemeinschaften darauf geachtet werden, dass die Auswahl der teilnehmenden Jugendlichen in Hinblick auf deren Leistungsbereitschaft, Sozialverhalten etc. auch wirklich eine funktionierende, konstruktive Zusammenarbeit zulässt. In der Regel sollten die Eltern hinreichend in der Lage sein, dies zu beurteilen. Evtl. ist diesbezüglich auch ein wenig Anleitung bzw. Führung der Lerngruppe durch die Erwachsenen gefordert.
  • Nicht zuletzt können Farben, Licht und Struktur maßgeblich zu einer positiven, konstruktiven Lernumgebung beitragen. So bildet ein aufgeräumter Arbeitsplatz sicher eine gute Voraussetzung für entspanntes und dennoch effektives Lernen sowie für die Entfaltung von Kreativität. Denn Ordnung reduziert kognitive Überlastung. Sichtbare Lernziele: Anschläge oder Poster mit kurzen Lernziel- bzw. Aufgabenübersichten unterstützen die Selbststeuerung. Sanfte, harmonische Farbtöne im Lernzimmer (z. B. Pastellblau, sanftes Grün, warme Neutraltöne) fördern Ruhe und Konzentration, ebenso wie natürliche Materialien (Holz, Stoffe) und eine gleichmäßige Beleuchtung. Eine Orientierung an den Prinzipien der chinesischen Harmonielehre des „Feng Shui“ ist bei der räumlichen Ausstattung eines Arbeitszimmers natürlich kein Muss, aber sicherlich hilfreich.

Fazit: Klassische Tugenden, wie Disziplin, Pflichtbewusstsein und eine (wohldosierte) Reglementierung sind sicherlich auch aus dem modernen Schulalltag nicht völlig wegzudenken und haben weiterhin ihre Berechtigung. Dennoch sollten die überholten Prinzipien der „Angst- und Druck-Pädagogik“ ein Stück weit der Erkenntnis weichen, dass Eigenmotivation und Freude als Lernmotor Menschen glücklicher machen und dennoch oder auch gerade deshalb effizienter sind. Getreu dem Motto: „Lernlust statt Lernfrust“!

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Verwendete Literatur:

https://www.personalfitness.de/ratgeber/985/mit-dopamin-das-gehirn-austricksen.html
Bientzle, Hendrik: Motivation – Mit Dopamin das Gehirn austricksen (PersonalFitness.de), 2025.

https://www.claudia-boeschel.de/neugier-als-superkraft
Böschel, Claudia: Neugier als Superkraft (Blog).

Burgstaller, Jürgen: Vor- und Zurückspulen im Unterricht. Unterrichtsbezogene Lernvideos zum Fördern, Fordern und Motivieren im computergestützten Fachzeichenunterricht an der LBS Mureck. BACHELORARBEIT, eingereicht an der Pädagogischen Hochschule Steiermark.Graz, 2025.

Burow, Olaf-Axel: Herausragende Leistungen durch Lust & Leidenschaft im Kreativen Feld – In: Hackl, Armin [Hrsg.] u. a.: Werte schulischer Begabtenförderung. Begabung und Leistung. Frankfurt, M. : Karg-Stiftung 2012, S. 41-47 –
URN: urn:nbn:de:0111-opus-90311 – DOI: 10.25656/01:9031
[Fundstelle / Download-Link: https://www.pedocs.de/frontdoor.php?source_opus=9031]

https://www.rnd.de/familie/unbaendige-neugier-wie-eltern-ihre-kinder-bei-der-lust-aufs-lernen-unterstuetzen-koennen-N7DNS5MUZZEBXDW2RNFRTAAJLU.html

Grüling, Birk. Wie Eltern helfen können. Kindliche Neugier: Ab ins Rabbit Hole – zumindest bis die Schule beginnt. RedaktionsNetzwerk Deutschland (rnD), 2025.

Ryan, Richard M. und Deci, Edward L.: Self-Determination Theory: Basic Psychological Needs in Motivation, Development, and Wellness. The Guilford Press, Copyright © 2017.

https://lexikon.stangl.eu/8672/dopamin
Stangl, W.: Dopamin. Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik, 2025, 22. Dezember.

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Von Google zu GPT: Warum Schüler das kreative Denken verlernen https://www.hauslehrer.de/blog/von-google-zu-gpt-warum-schueler-das-kreative-denken-verlernen/ Fri, 14 Nov 2025 10:16:26 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=9626 Ob bei der Ideenfindung für Texten oder das Verfassen von Hausaufgaben: Der Griff zur Suchmaschine ist für viele Schüler ebenso wie bei der privaten Nutzung selbstverständlich geworden. Schließlich scheint das Netz unerschöpfliche Inspiration zu liefern. Doch zeigt z. B. eine aktuelle Studie der Carnegie Mellon University (CMU): Zu häufiges „Googeln“ wirkt sich negativ auf die […]

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Ob bei der Ideenfindung für Texten oder das Verfassen von Hausaufgaben: Der Griff zur Suchmaschine ist für viele Schüler ebenso wie bei der privaten Nutzung selbstverständlich geworden. Schließlich scheint das Netz unerschöpfliche Inspiration zu liefern. Doch zeigt z. B. eine aktuelle Studie der Carnegie Mellon University (CMU): Zu häufiges „Googeln“ wirkt sich negativ auf die Kreativität aus und reduziert unsere Ideenvielfalt. Und die Sache wird noch komplexer, wenn künstliche Intelligenz ins Spiel kommt.

Stört das „Googeln“ die Kreativität?

Ein Forschungsteam der amerikanischen Privatuniversität hat untersucht, welchen Einfluss googeln auf die Kreativität bei der Ideenfindung hat. Dazu teilten sie ihre Proband:innen in zwei Gruppen auf: Während die eine Gruppe ein Kreativproblem ohne digitale Hilfe lösen sollte, durfte die andere nach Herzenslust googeln. Ziel war es, Einsatzmöglichkeiten für einen Regenschirm und für ein Schild zu sammeln.

Das Ergebnis war überraschend: Die Proband:innen, die die Suchmaschine nutzten, fanden insgesamt weniger Verwendungszwecke für die beiden Gegenstände. Vor allem fiel der Unterschied beim Schild auf, da zu diesem auch bei Google nicht so viele Ideen zu finden waren, wie beim Schirm.

Warum aber kam es zu diesem Ergebnis? Das Fazit der Forscher: Digitale Recherche kann die Eigenleistung bei kreativen Aufgaben mindern, weil der Fokus stärker auf vorhandenen Ideen und weniger auf eigenen Denkprozessen liegt. Dieser sogenannte Fixation-Effect entsteht, wenn eine mögliche Lösung vorgegeben wird und die Proband:innen sich eher an dieser orientieren, als eigene, weitere Lösungen zu finden.

Von Google zu GPT: Wie KI die kreative Recherche verändert

Die Studie bezog sich zwar auf Google, ähnlich kann es sich aber mit KI verhalten. Nicht wenige Privatnutzer:innen googeln gar nicht mehr, sondern stellen ihre Fragen allesamt Tools wie ChatGPT.  ChatGPT, Gemini oder Perplexity AI liefern blitzschnell Ideen, Gliederungen, Überschriften – und wirken damit wie ein Turbo fürs kreative Arbeiten. Doch ist das wirklich so?

Die Parallelen zur Google-Recherche sind offensichtlich: Auch KI kann dazu verleiten, sich auf fremde Ideen zu verlassen, statt selbst kreativ zu denken. Wenn Du also KI als Ideengeber nutzt, entsteht schnell eine Illusion von Kreativität, die aber – wie bei Google – nicht zwingend mit echter Originalität einhergeht.

KI-Tools sind mächtig, keine Frage. Sie sind vielseitig einsetzbar und sparen oft Zeit – doch wer sie unkritisch als Kreativhelfer einsetzt, riskiert uniformen Inhalt, ideenlose Überschriften oder Copy-Paste-Content, der wenig Mehrwert bietet.

Digitale Bequemlichkeit: Wie Informationsflut unsere Ideenfindung beeinflusst

Googeln oder KI birgt eine große Gefahr: Wir suchen externen Input, oft bevor wir selbst einen Denkprozess durchlaufen haben. Das Problem: Je mehr Ideen von außen kommen, desto weniger Raum bleibt für originelle Gedanken im Inneren.

Diese kognitive Bequemlichkeit ist in Zeiten ständiger Reizüberflutung ein echtes Hindernis für kreative Arbeit. Unser Gehirn lernt, dass es Ideen nicht selbst entwickeln muss, und verlernt genau das mit der Zeit.

In einer Umgebung, in der Schüler unter Druck stehen, möglichst schnell hochwertige Inhalte zu liefern, ist dieser Mechanismus besonders gefährlich. Dabei gibt es Wege, die eigene Kreativität gezielt zu fördern – trotz (oder gerade wegen) digitaler Tools.

Was bedeutet das für Schüler?

Kreativität lebt von Reibung, Kontrasten, Perspektivwechseln und nicht zu verachten, einem fundierten Bildungshintergrund!

 Deshalb ist es wichtig, bei der Ideenentwicklung bewusst zwischen interner und externer Informationsverarbeitung zu unterscheiden:

  • Erst denken, dann suchen: Versuche, erste Gedanken, Ansätze oder Ideen ohne externe Hilfe zu entwickeln.
  • KI & Google nur als Sparringspartner Lass Dir neue Perspektiven liefern, aber prüfe, ob Deine ursprünglichen Gedanken nicht doch besser waren.
  • Gönn Deinem Kopf Pausen. Manchmal entstehen die besten Ideen nicht beim Googeln, sondern beim Spazierengehen, Duschen oder Nichtstun.
  • Team-Workshops ohne Geräte: Für kreativen Austausch kann es sinnvoll sein, bewusst auf digitale Geräte zu verzichten.

Fazit: Bewusst suchen, bewusst denken

Die Studie liefert einen wichtigen Impuls für alle, die kreativ arbeiten: Externe Recherche – sei es über Google oder KI – kann die Kreativität fördern, wenn sie bewusst und gezielt eingesetzt wird. Wer sich jedoch zu früh auf digitale Tools verlässt, läuft Gefahr, die eigene Originalität zu verlieren.

Gerade im schulischen Zusammenhang, wo es auf Unverwechselbarkeit, Relevanz und Afbau eines Textes ankommt, ist der eigene Denkprozess Gold wert. Google und KI sind Werkzeuge, Kreativität bleibt ein Handwerk.

Und noch eine kleine Anmerkung:

Wir wissen alle oder sollten es zumindest wissen, um eine Suchmaschine wirklich nutzen zu können braucht es Bildung (und nicht nur Wissen).

Geben sie als Beispiel bei google das Stichwort „Kopfschmerz“ ein ist der vierte Treffer schon Werbung für ein Medikament! Und um aus all den vielen „Treffern“ für sich das Richtige zu finden, bräuchten sie schon fundierte medizinische Kenntnisse.

So ist es bei allen Suchanfragen.

Wir sollten als Eltern, Lehrer und überhaupt Jeder dafür sorgen, dass unsere Kinder Bildung erfahren können, damit sie in Zukunft eigenständig denken und kreativ sich Herausforderungen stellen können.


Quellen der Studien:

[Submitted on 10 Jun 2025] Cornell University:Your Brain on ChatGPT: Accumulation of Cognitive Debt when Using an AI Assistant for Essay Writing Task (Nataliya Kosmyna, Eugene Hauptmann, Ye Tong Yuan, Jessica Situ, Xian-Hao Liao, Ashly Vivian Beresnitzky, Iris Braunstein, Pattie Maes)

Human-AI Collaboration Can Unlock New Frontiers in Creativity – Tools Developed by SCS Researchers Show Benefits for Inventors, Designers, Songwriters   Thursday, May 29, 2025 Carnegie Mellon University

How AI Affects Our Sense of Self  And why it matters for business by Gizem Yalcin and Stefano Puntoni

From the Magazine (September–October 2023) Harvard Business Review

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Eine Herausforderung für jeden Lernenden – „Der Fluch des Vergessens“ https://www.hauslehrer.de/blog/eine-herausforderung-fuer-jeden-lernenden-der-fluch-des-vergessens/ Fri, 19 Sep 2025 09:51:03 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=9602 Und, wie man ihm – zumindest ein Stück weit – entkommen kann. Oder: Über Möglichkeiten, die Ressourcen sparende Strategie der Informationsspeicherung des menschlichen Gehirns zu „überlisten“. Ganz gleich, ob in Schule, Berufsausbildung, Studium oder sonstigen Lernumgebungen: Haben nicht viele von uns schon einmal Situationen, wie die folgende erlebt? Wir stehen vor einer Prüfung, der fragliche […]

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Und, wie man ihm – zumindest ein Stück weit – entkommen kann.

Oder: Über Möglichkeiten, die Ressourcen sparende Strategie der Informationsspeicherung des menschlichen Gehirns zu „überlisten“.

Ganz gleich, ob in Schule, Berufsausbildung, Studium oder sonstigen Lernumgebungen: Haben nicht viele von uns schon einmal Situationen, wie die folgende erlebt?

Wir stehen vor einer Prüfung, der fragliche Termin rückt bedrohlich näher und beginnt allmählich, uns Sorgen zu bereiten. Eigentlich sind wir ja motiviert und bereit, alles zu geben. Doch irgendwie erscheint uns diese Prüfungsvorbereitung wie eine kaum zu bewältigende Mammutaufgabe. Wie sollen wir vorgehen? Wie sollen wir überhaupt beginnen? Was ist die beste Strategie? Schnell wird uns klar, dass es kaum möglich sein wird, alle relevanten Informationen in unser Gedächtnis aufzunehmen, sondern dass wir eine Auswahl werden treffen müssen. Aber schon mit der Unterscheidung zwischen wichtig und weniger wichtig tun sich viele Lernende schwer. Da steht uns zum Beispiel das gute, alte und grundsätzlich sicher nicht verkehrte Hilfsmittel eines Textmarkers zur Verfügung. Doch genau welche Informationen sind nun wirklich hervorhebenswert? Aus der Unsicherheit heraus, hier klare Entscheidungen zu treffen, neigt manch einer in seiner „blinden Unterstreichwut“ dazu, zu viel zu markieren, im Extremfall fast alles. Vielleicht ist er dabei getrieben von der unbewussten Hoffnung, dass auf diese Art und Weise der Lernstoff irgendwie schon mehr oder weniger „automatisch“ in die Gedächtniszellen seines Gehirns befördert wird. Aber dies wird sich wohl als ein Trugschluss herausstellen.

Dann gibt es Eltern, die in klassisch autoritärer Manier versuchen, den Lernerfolg ihrer Kinder geradezu zu erzwingen getreu dem Motto: „Wenn du dich nur genügend anstrengst, wirst Du es schon schaffen“. Im Falle von schlechten Noten beschimpfen sie ihre Kinder als „dumm“ und „faul“, mitunter droht sogar ein Liebesentzug. Doch abgesehen davon, dass dem Sohnemann oder der Tochter ein solcher Erziehungsstil in menschlicher und psychischer Hinsicht nicht guttun wird, dürfte selbstquälerisches, stundenlanges „Pauken“ ohne echten Plan wohl auch kein wirkliches Erfolgsrezept darstellen.

Insgesamt machen wir oft die frustrierende Erfahrung, dass unsere eigene Gedächtnisleistung trotz all unserer Bemühungen deutlich hinter unseren Wünschen und Erwartungen zurückbleibt. Doch dafür gibt es Gründe. Denn das menschliche Gedächtnis, das ohnehin nur begrenzt und nicht bis ins Unendliche erweiterbar ist, folgt strikten ökonomischen Prinzipien. Informationen, die vom Gehirn nicht als besonders wichtig bewertet werden, werden schnell wieder gelöscht, um so Platz zu schaffen für die Speicherung neuer, relevanter Informationen.

Auch wenn „Patentrezepte“ – wie so häufig – Mangelware sind, sollen die folgenden, von wissenschaftlichen Erkenntnissen inspirierten Ausführungen dabei helfen, die Funktionsweise von Lernprozessen besser zu verstehen, und Anregungen beim Herausfinden einer geeigneten persönlichen Lernstrategie liefern.

Menschliches Gehirn und Gedächtnis – Wie funktioniert das?

Das menschliche Gedächtnis ist kein USB-Stick, auf dem Informationen einfach „abgelegt“ werden. Es ist ein lebendiges Netzwerk von Nervenzellen (Neuronen), die über Synapsen miteinander verschaltet sind. Dabei verändert das Gehirn seine Struktur, je nachdem, wie oft und auf welche Weise bestimmte Inhalte verarbeitet werden. Diese Fähigkeit nennt man Neuroplastizität.

► Die Gedächtnissysteme im Überblick

Einteilung des menschlichen Gedächtnisses nach Funktion und Dauer der Informationsspeicherung:

  • Ultrakurzzeitgedächtnis: Registriert Sinneseindrücke für Sekundenbruchteile – etwa das Bild eines vorbeifahrenden Autos.
  • Kurzzeitgedächtnis: Hält Informationen wenige Minuten bereit – z. B. eine Telefonnummer, bevor sie gewählt wird.
  • Arbeitsgedächtnis: Hier findet aktives Denken statt. Es kombiniert aktuelle Informationen mit bereits gespeicherten.
  • Langzeitgedächtnis: Speichert Informationen dauerhaft – aber nur, wenn sie gut verarbeitet und wiederholt werden.

Innerhalb des Langzeitgedächtnisses unterscheidet man:

  • Deklaratives Gedächtnis: explizites, kontrolliertes Gedächtnis. Hier werden Fakten, Daten und Ereignisse gespeichert – Informationen, die bewusst abrufbar sind.
  • Prozedurales Gedächtnis: implizit, funktioniert weitgehend automatisiert und unbewusst. Es dient z.B. zur Einprägung von Bewegungsabläufen oder Routinen.

Hinzu kommt das emotionale Gedächtnis als eine gefühlsmäßige  Bewertungsinstanz. ® Gerade sie hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Lernen!!

Die Wissensspeicherung erfolgt durch die Steigerung der Übertragungsleistung der jeweiligen Synapsen, und zwar entweder nur vorübergehend (Kurzzeitgedächtnis) oder dauerhaft (Langzeitgedächtnis). Beim Übergang von Inhalten vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis werden als wichtig eingestufte Informationen von Neurotransmittern für die Übertragung in das Langzeitgedächtnis „markiert“.

Die für diese Markierung günstigen Bedingungen können wir Menschen auch gezielt herbeiführen.

In Hinblick auf den Wissensabruf arbeitet das Gedächtnis mit Assoziationen. Der Informationsabruf entsteht die durch automatische Bereitstellung von Gedächtnisinhalten, die mit einem entsprechenden Auslöserreiz assoziiert sind. Die Identifikation von Auslöserreizen ist in Form hierarchisch verschalteter neuronaler Strukturen organisiert.

Auslöserreize/Erkennungsmuster können beim Lernen planmäßig erzeugt werden.

Der natürliche Feind des Wissens: Die Vergessenskurve

► Ebbinghaus: Der Pionier des Gedächtnisverlusts

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigte Prof. Dr. Hermann Ebbinghaus (1850-1909, deutscher Psychologe und Mitbegründer der experimentellen Gedächtnisforschung), wie schnell Menschen Informationen vergessen. Er führte Selbstversuche in Form des Auswendiglernens sinnloser Silben (Grund: neutraler Lernstoff) durch. Sein Ziel war es, nachzuweisen, wie lange der Mensch neu Erlerntes im Gedächtnis behält, und wie viel Prozent er vergessen hat. Dabei legte er seinen Fokus auf die sog. Ersparnismethode: Er maß die Anzahl von Wiederholungen, die erforderlich sind, um Erlerntes fehlerfrei reproduzieren zu können, in Abhängigkeit von der Zeit. Er stellte er fest, dass mit fortschreitender Zeit die Anzahl der nötigen Wiederholungen abnehmend – oder umgekehrt formuliert: die Lernersparnis zunehmend – war. Die Lernersparnis in Prozent diente ihm indirekt als Maßstab für die Menge des Wissens, die dem Lernenden im Gedächtnis geblieben ist.

Die wesentlichen Ergebnisse seiner Forschungen:

  1. Der Verlauf des Vergessens ist negativ-exponentiell.
  2. Nur etwa 20% (ein Fünftel) des erlernten Wissens verbleiben langfristig im Gedächtnis.
Ebbinghaussche Vergessenskurve

Ebbinghaussche Vergessenskurve

► Was moderne Forschung ergänzt

In ihren Grundzügen werden die Forschungsergebnisse von Ebbinghaus auch heute noch als gültig angesehen.

Sie sind im Laufe der Zeit lediglich durch neuere Studien ergänzt und modifiziert worden. So beschrieb etwa 1984 der US-amerikanischen Psychologe Harry P. Bahrick mit seinem Permastore-Modell einen Bereich im menschlichen Gedächtnis, in dem – nach anfänglichem Vergessen – Informationen über lange Zeiträume, oft lebenslang, gut erinnert werden. Er fand heraus, dass die Stabilisierung des Wissens in der ersten Phase nach dem Lernen entscheidend ist.

Emotionen, Stress und die Macht des Kontextes

► Wie Emotionen das Lernen lenken

Gerade Emotionen sind entscheidend für den Lernerfolg. Denn gerade die Bewertung von Informationen nach der Gefühlsbedeutung durch das emotionale Gedächtnis [vgl. oben] beeinflusst, was als „wichtig“ gilt. Positive Gefühle wie Neugier, Freude oder Selbstwirksamkeit fördern die Gedächtnisspeicherung. Angst, Stress oder Versagensdruck hingegen lösen in der Amygdala Warnsignale aus, die die Lernfähigkeit blockieren.

► Lernblockaden: Wenn das Gehirn auf „Stopp“ schaltet

Lernblockaden können viele Ursachen haben: negative Erfahrungen in der Vergangenheit, übersteigerter Leistungsdruck oder der Eindruck, nicht verstanden zu werden. Auch mangelndes Selbstvertrauen, Kränkungen oder das ständige Gefühl, nicht gut genug zu sein, erschweren den Zugang zu neuem Wissen. Lernen unter Druck erzeugt negative emotionale Verknüpfungen mit dem Lernstoff, die die Lernmotivation senken und das Behalten der Informationen behindern.

Wie man das Gehirn beim Lernen unterstützt

► Ruhe, Konzentration & positive Lernumgebung

Eine ungestörte, ruhige Umgebung ist die Grundlage für konzentriertes Lernen. Nur wer frei von Ablenkungen ist, kann Informationen bewusst aufnehmen und verarbeiten. Auch die Atmosphäre spielt eine Rolle: Eine angenehme Umgebung, klare Struktur und ein gewisser Wohlfühlfaktor fördern die kognitive Leistungsfähigkeit. Dabei helfen visuelle Ordnung, angenehme Farben und ein strukturierter Arbeitsplatz.

► Multisensorisches und kontextbezogenes Lernen

Effizientes Lernen funktioniert über mehrere Kanäle. Wer beim Lernen hört, liest, sieht und eventuell sogar handelt, aktiviert verschiedene Bereiche im Gehirn gleichzeitig. Diese multisensorischen Reize („Lernen mit allen Sinnen“) stärken die neuronalen Verknüpfungen. Gleichzeitig hilft es, den Lernstoff mit dem Alltag zu verknüpfen: Ein physikalisches Prinzip beim Skateboarden zu erklären oder eine französische Vokabel mit einer Alltagsszene zu verbinden, fördert das langfristige Behalten.

► Bewegung, Schlaf und gelegentliche Pausen – Gedächtniskonsolidierung aktiv unterstützen

Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und bereitet es optimal auf die Aufnahme neuer Inhalte vor. Kleine Bewegungseinheiten zwischendurch verbessern die Konzentration und schaffen neue Energie.

Vgl. hierzu auch einen früheren HLS Blogartikel vom Dezember 2022: https://www.hauslehrer.de/blog/bewegtes-lernen-ein-schluesselkonzept-fuer-entspanntes-lernen-zuhause/

Besonders wichtig ist der Schlaf: Denn ausgerechnet während der Nachtruhe wird – ohne unser Zutun – Gelerntes im Gehirn gefestigt (Übertragung ausgewählter Lerninhalte vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis). In dieser Phase der sogenannten Gedächtniskonsolidierung entscheidet sich, welche Informationen dauerhaft gespeichert werden. Auf ausreichend viel Schlaf ist also selbst in stressigen Prüfungsphasen unbedingt zu achten.

Ebenso sind regelmäßige Pausen durchaus zielführend. Das sog. Default Mode Network (DMN) ist in reizarmen Phasen, wie beim Nichtstun oder bei der Ausführung einfacher Routinetätigkeiten, aktiv. Während dieser Phasen lernt das Gehirn, ohne dass es uns bewusst ist, selbstständig weiter.

„Überehrgeizige“ Eltern, die zu viel Druck auf ihre Kinder ausüben, seien darauf hingewiesen, dass Überlernen (over learning) kontraproduktiv und daher zu vermeiden ist. Dies gilt auch deshalb, da jede zusätzliche Wissensaneignung zu retroaktiven Hemmungen führt, wodurch Teile des bereits gelernten Stoffs wieder vergessen werden.

Wiederholung – das Gedächtnis braucht Aktivierung

Wiederholen ist die wichtigste Aktivität zur langfristigen Speicherung von Lernstoff (Markierung für den Übergang in’s Langzeitgedächtnis, vgl. oben).

Aber Vorsicht: Zu häufiges und vor allem unsystematisches Wiederholen kann auch destruktiv sein!

► Spaced Repetition statt Auswendiglernen

Regelmäßige, gut getaktete Wiederholung ist der Schlüssel zur nachhaltigen Informationsverankerung. Das Konzept der Spaced Repetition empfiehlt, Lernstoff in zunehmend größeren Abständen zu wiederholen – z. B. nach 1 Tag, 3 Tagen, 1 Woche, 1 Monat. Diese Methode verhindert, dass Informationen im Kurzzeitgedächtnis „verpuffen“ und unterstützt ihre Überführung ins Langzeitgedächtnis.

► Lernkartei & Lernpatience

Die Lernkartei ist ein bewährtes Hilfsmittel für gezieltes Wiederholen. In einem Karteikastensystem werden Informationen je nach Abrufhäufigkeit in verschiedene Fächer einsortiert – erfolgreich erinnerte Inhalte wandern weiter, vergessene zurück.

Prinzipien, die der Lernkartei zugrunde liegen:

  1. Zufällige Auswahl der zu lernenden Informationen (nicht an eine Reihenfolge gebunden)
  2. Besonders schwer einprägsame Informationen (z. B. Vokabeln) werden häufiger wiederholt als leichter zu erlernende.
    zeitökonomische und effiziente Methode.

Beispiel für die Organisation einer Lernkartei:

Karteikasten mit Fächern 1 – 5 sich steigernder Breite. Beginn mit Fach 1. Erfolgreich gemerkte Vokabeln werden im nächst höheren Fach positioniert, die vergessenen werden wieder in Fach 1 zurückgelegt. Für jede Karteikarte wird der allmähliche Aufstieg bis in das höchste Fach (Nr. 5) angestrebt. Sobald dieses Ziel erreicht ist, kann man davon ausgehen, dass die jeweilige Vokabel über einen längeren Zeitraum gemerkt wird.

Es ist zu empfehlen, für die Wiederholungszyklen einen Zeitplan zu erstellen.

Bei der Lernpatience handelt es sich um eine spezielle Variante dieses Systems für besonders schwer einprägsame Lerninhalte in begrenztem Umfang. Dabei werden die Karten verdeckt auf einen Tisch gelegt und anstatt in den Fächern eines Karteikastens in übereinander liegenden Reihen von links nach rechts sortiert – ein Verfahren, das Struktur und Spiel verbindet.

Weiterführende Informationen zum Karteilernsystem (KLS) der Hauslehrer finden Sie auch in der folgenden Rubrik unserer Homepage: https://www.hauslehrer.de/ueber-uns/unser-karteilernsystem/

Moderne Lerntechniken im Überblick

► Active Recall – der aktive Abruf des Wissens

Statt Inhalte passiv zu lesen, wird Wissen aktiv abgefragt. Schüler stellen sich selbst Fragen zum Lernstoff, fassen in eigenen Worten zusammen oder lassen sich von Mitschülern prüfen. Diese Technik zwingt das Gehirn, auf gespeicherte Informationen zuzugreifen – und fördert damit die Gedächtnisleistung deutlich stärker als passives Wiederholen.

In diesen Zusammenhang ist auch die Feynman-Methode („Lernen durch Erklären“) einzuordnen. Sie geht davon aus, dass man etwas nur wirklich verstanden hat, wenn man es anderen erklären kann. Schüler bereiten ein Thema so auf, dass sie es einem Kind erklären könnten. Dadurch erkennen sie eigene Wissenslücken und können gezielt nacharbeiten. Die Feynman-Methode eignet sich besonders für komplexe Sachverhalte in Naturwissenschaften oder Mathematik.

► Mindmaps – komplexe Inhalte visuell darstellen

Mindmaps helfen dabei, umfangreiche Themen zu strukturieren und miteinander zu verknüpfen. Durch die visuelle Aufbereitung werden Inhalte nicht nur besser verstanden, sondern auch leichter erinnert. Zentralbegriffe stehen in der Mitte, Unterbegriffe verzweigen sich baumartig – eine Methode, die der natürlichen Struktur des Gedächtnisses entgegenkommt.

► Mnemotechniken – kreative Eselsbrücken

Mnemotechniken nutzen kreative Tricks, um Informationen leichter im Gedächtnis zu behalten. Das können Reime, Bilder, Geschichten oder spezielle Assoziationen sein. Besonders beim Auswendiglernen von Reihenfolgen oder Definitionen sind solche Techniken hilfreich. Ein Beispiel: „Nie ohne Seife waschen“ – die Himmelsrichtungen im Uhrzeigersinn.

Auch wenn solche Techniken mit dem Verständnis des Lernstoffs unmittelbar nichts zu tun haben, können sie etwa beim Auswendiglernen von Vokabeln, mathematischen oder naturwissenschaftlichen Formeln, durchaus hilfreich sein.

Vergessen ist normal – aber überwindbar

Vergessen ist ein natürlicher Bestandteil des Lernprozesses. Das Gehirn sortiert aus, was nicht gebraucht wird. Doch durch gezielte Strategien – wie strukturierte Wiederholung, positive Lernumgebung, aktive Abfrage und kreative Techniken – lassen sich manche Beschränkungen, die uns unser Gehirn beim Lernen auferlegt, umgehen.

Gute, pädagogisch fundierte Nachhilfe kann genau hier ansetzen: Sie hilft dabei, diese Methoden gezielt anzuwenden, emotionale Blockaden zu erkennen und nachhaltige Lerngewohnheiten zu entwickeln. So wird aus kurzfristigem Pauken ein langfristiger Lernerfolg – und der „Fluch des Vergessens“ verliert seinen Schrecken.

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Verwendete Literatur:

Höpker, Dr. Jan. HabitGym (Webseite)
Artikel „Lernmethoden: Die 7 Geheimnisse der besten Schüler und Studenten“: https://www.habitgym.de/lernmethoden/
Artikel „Die Vergessenskurve nach Ebbinghaus“: https://www.habitgym.de/vergessenskurve/

Höpker, Dr. Jan. Überflieger-Formel: Für bessere Noten und nachhaltigen Erfolg im Studium. 1. Aufl. Aachen 2021 Studienscheiss Verl.

Leitner, S. So lernt man lernen. Angewandte Psychologie – ein Weg zum Erfolg. 21. Aufl. Augsburg 1995 Weltbild Verl. © Herder Verl., Freiburg

Stangl, W. (2024, 21. Juli). Dyskalkulie. Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik.
https://lexikon.stangl.eu/13868/lernblockade

StudySmarter. Die all-in-one Lernplattform.
Artikel „Lerntipps – Lernen mit Mnemotechniken“: https://www.studysmarter.de/magazine/mnemotechniken-lernen-uebungen/

http://helmut-richter.de/didaktik/lernen.htm
Vester, Frederic. Der Lernstoff und seine Aufbereitung. 13 Regeln aus der Lernbiologie.
Entnommen aus : Frederic Vester, „Denken, Lernen, Vergessen“ , Stuttgart 1975

WIKIPEDIA – Die freie Enzyklopedie
Artikel „Vergessenskurve“: https://de.wikipedia.org/wiki/Vergessenskurve

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An den Verfahren der schriftlichen Subtraktion scheiden sich die Geister https://www.hauslehrer.de/blog/an-den-verfahren-der-schriftlichen-subtraktion-scheiden-sich-die-geister/ Tue, 02 Sep 2025 13:59:42 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=9586 Wie das „Minus-Problem“ polarisiert. Die schriftliche Subtraktion gehört zu den ersten formalen Rechenverfahren, die Kinder in der Grundschule erlernen. Auf den ersten Blick wirkt sie einfach: Zwei Zahlen werden untereinander geschrieben, eine Linie darunter – und dann wird „minus gerechnet“. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich: So einheitlich, wie viele denken, ist das Rechnen mit […]

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Wie das „Minus-Problem“ polarisiert.

Die schriftliche Subtraktion gehört zu den ersten formalen Rechenverfahren, die Kinder in der Grundschule erlernen. Auf den ersten Blick wirkt sie einfach: Zwei Zahlen werden untereinander geschrieben, eine Linie darunter – und dann wird „minus gerechnet“. Doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich: So einheitlich, wie viele denken, ist das Rechnen mit Minus längst nicht.

Denn während die übrigen Grundrechenarten, also Addition, Multiplikation und Division weitgehend unstrittig sind, konkurrieren beim schriftlichen Subtrahieren mehrere Verfahren miteinander. Die Debatte darüber, welches davon das für den Schulunterricht Geeignetste sei, wird von Expertenkommissionen, Philologenverbänden, Bildungsministerien, Lehrkräften und Eltern bereits seit vielen Jahren geführt.

Was als schriftliche Subtraktion gelehrt wird, kann je nach Bundesland, Schulform, Lehrkraft oder sogar Schulbuch ganz unterschiedlich aussehen. Das sogenannte „Minus-Problem“ beschreibt diese Uneinheitlichkeit: Verschiedene Verfahren führen zum selben Ergebnis – aber auf sehr verschiedenen Wegen. Für Kinder kann das verwirrend sein. Für Eltern, die bei den Hausaufgaben helfen wollen, ebenso. Und für Nachhilfelehrkräfte stellt sich die Frage: Welches Verfahren soll ich unterstützen – und wie erkläre ich es am besten?

1. Die Grundprinzipien der Subtraktion – auf den Punkt gebracht

Die elementaren Fachbegriffe im Zusammenhang mit der Subtraktion dürften wohl den allermeisten von uns geläufig sein:

  • der Minuend, die Zahl, von der abgezogen wird
  • der Subtrahend, die Zahl, die abgezogen wird
  • die Differenz, das Ergebnis der Subtraktion, auch als Unterschied bezeichnet

Zeichen für die Subtraktion ist das Minuszeichen (–).

1.1 Drei grundlegende Subtraktionsstrategien

Im Kern basiert jede schriftliche Subtraktion auf einer von drei Denkweisen:

  • Abziehen: Die Differenz wird durch Abziehen bestimmt (z.B. 7 – 4 = 3). Die Subtraktion wird also auch als eine „echte Subtraktion“ durchgeführt. Rechenrichtung: von oben nach unten.
    Diese Variante ist intuitiv, entspricht der Alltagserfahrung („Ich habe 7 Äpfel, nehme 4 weg…“) und kommt der natürlichen Vorstellung von Minus am nächsten.
  • Ergänzen: Die Differenz wird durch Ergänzen bestimmt (von 3 bis 7 sind es 4, also 3 + 4 = 7). Die Subtraktion wird quasi indirekt auf eine Addition zurückgeführt. Rechenrichtung: von unten nach oben.
    Diese Methode wirkt für Erwachsene ungewohnt, ist aber für Kinder oft leichter zugänglich, da sie aufsteigend denken dürfen. Vor allem in der Anfangsphase des Rechnens (oft mit Finger- oder Zahlstrahlunterstützung) fällt dieses Ergänzen vielen Kindern leichter.
  • Auffüllen: Eine Strategie, die besonders in der schriftlichen Darstellung untereinander zur Anwendung kommt. Dabei wird der Subtrahend stellenweise „aufgefüllt“, bis der Wert des Minuenden erreicht wird – beginnend bei den Einern. Dieses Vorgehen liegt gedanklich nah am Ergänzen, wird aber systematisch stellenweise durchgeführt.

1.2 Übertragungstechniken

Die schriftliche Subtraktion wird dann anspruchsvoll, wenn an einer Stelle der Minuend kleiner ist als der Subtrahend – also ein Übertrag nötig wird. Dafür gibt es zwei grundlegend verschiedene Herangehensweisen:

  • Erweitern: Erweiterung von Minuend und Subtrahend um dieselbe Zahl (z.B. zehn Einer im Minuend und ein Zehner im Subtrahend – „Eins gemerkt“). ⇒  Die Differenz bleibt unverändert (konstant).
  • Entbündeln: Umformung nur des Minuenden. Der Minuend der jeweiligen Stelle wird auch hierbei erweitert (z.B. zehn Einer im Minuend). Zum Ausgleich wird ein Zehner „entbündelt“ („von links genommen“, z.B. Verkleinerung des Minuenden auf der Zehnerstelle um 1).
    Diese Methode macht den Rechenvorgang transparenter und nachvollziehbarer, ist aber in der Darstellung oft komplexer.

2. Zwei gebräuchliche Kombinationen im Schulalltag

Aus diesen Strategien haben sich in der Praxis zwei Standardverfahren entwickelt:

2.1 Ergänzen + Erweitern – das klassische Verfahren

Dieses Verfahren war jahrzehntelang das einzige durch die Kultusministerkonferenz (KMK) zugelassene. Viele Eltern und Lehrkräfte kennen nur diese Methode. In Lehrwerken aus dem Zeitraum vor 2000 ist es eindeutig vorherrschend.

Ergänzen und Erweitern - Beispiel

2.2 Abziehen + Entbündeln – das reformpädagogische Verfahren

Dies ist in zahlreichen Bundesländern, zumindest in der Primarstufe (Grundschule), heute das favorisierte Verfahren. Zugleich stellt es eine Annäherung an internationale Standards dar. Denn in vielen anderen Ländern (z. B. USA, Skandinavien) wird es schon seit langem als die vorherrschende Lehrmethode eingesetzt.

Abziehen und Entbündeln - Beispiel

3. Die Vor- und Nachteile beider Verfahren im Vergleich

✔ Ergänzen + Erweitern – Vorteile

  • Übersichtliches, gut strukturiertes Rechenverfahren
  • Einfach zu standardisieren, daher leichter zu automatisieren
  • Ideal für Kinder, die mit festen Schemata gut zurechtkommen
  • Weniger fehleranfällig, da keine Entbündelung erforderlich

Ergänzen + Erweitern – Nachteile

  • Kinder verstehen nicht unbedingt, warum sie so rechnen, wie sie rechnen.
  • Fördert mechanisches Rechnen ohne Einsicht

✔ Abziehen + Entbündeln – Vorteile

  • Kommt der generellen Vorstellung von Subtraktion näher, da tatsächlich „abgezogen“ wird. Z. B. „7 minus 3“ statt – wie nach dem alten Verfahren: „Wie viel muss zu 3 noch ergänzt (hinzuaddiert) werden, um auf die 7 zu kommen“?
  • Die „natürliche“ Rechenrichtung von oben nach unten ist gewährleistet.
  • Das Entbündeln entspricht einem anschaulichen „Tauschvorgang“. Z. B. werden 10 „Einer“ gegen eine Einheit des nächst höheren Stellenwertes getauscht.
  • Fördert laut Reformdidaktikern das selbständige Entwickeln von Lösungen durch die Schüler.

Abziehen + Entbündeln – Nachteile

  • Die durch Entbündelung verminderten Stellen werden häufig über den ursprünglichen Minuenden geschrieben. Dadurch entstehen mitunter regelrechte „Türme“ ( mangelnde Übersichtlichkeit).
    So berichtete etwa die Süddeutsche Zeitung bereits im Jahre 2012 über einen Mathematikprofessor an der Universität Bayreuth, der sich über den aufgetürmten „Zahlenwust“ echauffierte, den er bei einer einfachen Subtraktion im Schulheft seiner Tochter vorfand, und daher einen Beschwerdebrief an den damaligen bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sandte
    1).
  • Komplex bei langen Subtraktionsketten oder großen Zahlen
  • Für leistungsschwächere Schülerinnen / Schüler mitunter zunächst schwerer zu durchdringen
  • Beim Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule (z. B. Gymnasium) müssen die Schüler:Innen ggf. „umlernen“, da dort oft immer noch das klassische Ergänzungsverfahren bevorzugt wird.

4. Aktuelle Verbreitung in Deutschland: uneinheitlich

In Deutschland ist die schulische Umsetzung nicht bundesweit einheitlich geregelt. Stattdessen definiert jedes Bundesland seine eigenen Lehrpläne und Empfehlungen. Während viele Grundschulen das Abziehverfahren mit Entbündeln bevorzugen, dominiert in weiterführenden Schulen nach wie vor das Ergänzen mit Erweitern.

Auch innerhalb eines Bundeslandes kann es Unterschiede geben – abhängig von Schulbuchverlagen, Lehrerfortbildungen oder individuellen Präferenzen. Die KMK gibt heute keine methodischen Vorschriften mehr, sondern legt den Fokus auf kompetenzorientiertes Lernen. Daraus ergibt sich die Forderung: Verfahren sind Mittel zum Zweck – wichtig ist das mathematische Verständnis.

5. Empfehlungen für Eltern, Lernbegleiter und Nachhilfelehrkräfte

Wie lässt sich das „Minus-Problem“ im Alltag pädagogisch klug lösen?

Unsere Empfehlungen:

  • Verfahren des Kindes respektieren

Wenn ein Kind bereits nach einer Methode rechnet, sollte man nicht vorschnell „umerziehen“.

  • Beide Verfahren erklären und vergleichen

Wer beide Strategien versteht, kann flexibler denken und sich besser an neue Anforderungen anpassen.

  • Mit Anschauungsmaterial arbeiten

Besonders beim Entbündeln helfen Rechenrahmen, Würfel oder Stellenwertkarten.

  • Rücksprache mit der Lehrkraft halten

Eltern sollten sich informieren, welches Verfahren aktuell im Unterricht verwendet wird.

  • Verständnis über Auswendiglernen stellen

Statt starrer Schemata sollten Kinder lernen, warum sie so rechnen – das stärkt langfristig ihre Mathekompetenz.

Fazit: Verständnis fördern, Verfahren nicht dogmatisieren

Das „Minus-Problem“ zeigt: Rechnen ist mehr als das bloße Ausführen von Regeln. Verschiedene Wege führen zum Ziel – wichtig ist, dass Kinder diesen Weg verstehen.

Nachhilfe und Hausaufgabenhilfe sollten deshalb nicht einseitig auf ein Verfahren setzen, sondern Brücken bauen: zwischen Alt und Neu, zwischen Schema und Verständnis, zwischen Rechenweg und Rechenidee.

So wird aus einem vermeintlichen Problem eine Chance – nämlich die, Kindern das Rechnen wirklich beizubringen.

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Verwendete Literatur:

https://kira.dzlm.de/zu-den-verfahren-der-schriftlichen-subtraktion

KIRA: DZLM – Deutsches Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik (Technische Universität Dortmund): ZU DEN VERFAHREN DER SCHRIFTLICHEN SUBTRAKTION.

Roth, Jürgen: Didaktik der Grundschulmathematik (Skript). Universität Koblenz / Landau.
Download-Link: https://www.juergen-roth.de/skripte/did_grundschulmathematik/did_grundschulmathematik_5_schriftliche_rechenverfahren.pdf

1) Scherf, Martina. (2012, Oktober 17). Das Minus-Problem. Süddeutsche Zeitung.

Inkl. eines Leserbriefs zum Artikel von Alexander von Schwerin, Institut zur Behandlung der Rechenschwäche, München.

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Teilbarkeitsregeln verstehen und anwenden https://www.hauslehrer.de/blog/teilbarkeitsregeln-verstehen-und-anwenden-2/ Sun, 13 Apr 2025 21:44:55 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=8292 Oftmals bietet die Mathematik einfache Hilfsmittel, wie zum Beispiel die Teilbarkeitsregeln (auch Teilerregeln genannt), um schneller zur Lösung zu kommen, unnötiges Rechnen zu vermeiden oder einfach einen besseren Überblick über größere Zahlen oder komplexere Aufgabenstellungen zu erhalten.   Im nachfolgenden Beitrag sind vor allem diejenigen Teilbarkeitsregeln aufgeführt und an Beispielen einfach erklärt, welche aus Sicht […]

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Oftmals bietet die Mathematik einfache Hilfsmittel, wie zum Beispiel die Teilbarkeitsregeln (auch Teilerregeln genannt), um schneller zur Lösung zu kommen, unnötiges Rechnen zu vermeiden oder einfach einen besseren Überblick über größere Zahlen oder komplexere Aufgabenstellungen zu erhalten.  

Im nachfolgenden Beitrag sind vor allem diejenigen Teilbarkeitsregeln aufgeführt und an Beispielen einfach erklärt, welche aus Sicht von “die hauslehrer®“ für den Mathematikunterricht und für Unterrichtsfächer mit mathematischen Anteilen wichtig und einfach zu handhaben sind. Die Übersicht der Teilbarkeitsregeln ist daher nicht vollumfänglich.

Hinweis: Die wichtigsten Teilbarkeitsregeln am Ende dieses Beitrages zum Herunterladen und Ausdrucken.

Was sind Teilbarkeitsregeln

Teilbarkeit ist eine mathematische Beziehung zwischen zwei ganzen Zahlen, bei der eine ganze Zahl durch eine andere ganze Zahl ohne Rest teilbar ist. Um die Frage nach der Teilbarkeit beantworten zu können, ist nicht immer zwingend eine schriftliche Division notwendig, wenn man die Teilbarkeitsregeln richtig anwendet.
Die Anwendung der Teilbarkeitsregeln beantwortet die Frage, ob eine ganze Zahl durch eine andere ganze Zahl teilbar ist oder nicht. Die Aussage lautet dabei immer: „Teilbar.“ oder „Nicht teilbar.“, ohne jedoch ein konkretes Zahlenergebnis zu nennen

Anwendung der Teilbarkeitsregeln

Viele Schülerinnen und Schüler scheuen sich davor, die Teilbarkeitsregeln zu lernen und zu üben. Aber auch so manche Schullehrkraft legt nicht mehr so viel Wert darauf, sich mit diesem Thema eingehend im Unterricht zu beschäftigen.

Dabei liegen die Vorteile auf der Hand. Teilbarkeitsregeln sind eine Art Prüfschema, welches dabei helfen kann, unnötige Rechenschritte zu vermeiden. Unter anderem sind in der Bruchrechnung (Kürzen, Erweitern, gemeinsamer Nenner, Ausklammern, etc.), beim Kopfrechnen und in der Dreisatz-Rechnung oder Prozentrechnung Kenntnisse über die Teilbarkeitsregeln sehr hilfreich.

Das Beherrschen der wichtigsten Teilbarkeitsregeln sollte daher zum mathematischen Handwerkszeug in weiterführenden Schulen gehören.

Welche Zahlen sind nicht teilbar?

Alle ganzen Zahlen sind zumindest durch sich selbst und die Zahl „1“ teilbar.
Natürliche Zahlen ≠ 1, welche nur durch sich selbst und die Zahl „1“ teilbar sind, nennt man Primzahlen. Diese besitzen folglich auch keine speziellen Teilbarkeitsregeln.

Die Primzahlen bis 100 sind:

Zahlenraum 1 bis 50:         2; 3; 5; 7; 11; 13; 17; 19; 23; 29; 31; 37; 41; 43; 47

Zahlenraum 50 bis 100:     53; 59; 61; 67; 71; 73; 79; 83; 89; 97

Andere Zahlen haben wiederum viele verschiedene Teiler; wie zum Beispiel die Zahl 72 mit ihren Teilern {1; 2; 3; 4; 6; 8; 9; 12; 18; 24; 36; 72}. Solche Zahlen nennt man hochzusammengesetzte Zahlen.

Ordnung der angesprochenen Teilbarkeitsregeln

 

Abb.: «Ordnung der angesprochenen Teilbarkeitsregeln» (Andre Wiesener © die hauslehrer® GmbH & Co. KG)

 

 

  1. Wichtige Teilbarkeitsregeln

 

  • Summenregel (Differenzregel)

 

Wenn eine Zahl c zwei andere Zahlen a und b teilt, dann teilt sie auch die Summe (a + b) oder die Differenz (a – b) beider Zahlen.

 

  • (a + b) ÷ c = a ÷ c + b ÷ c

 

  • (a – b) ÷ c = a ÷ c – b ÷ c

 

Beispiel:

 

Die Zahl 9 ist Teiler der Zahl 360 (360 ÷ 9 = 40) und auch der Zahl 45 (45 ÷ 9 = 5).

Die Summe der Zahlen 360 und 45 beträgt 405 (360 + 45 = 405).

Demnach ist die Zahl 9 auch Teiler von 405 (405 ÷ 9 = 45).

 

Die Zahl 3 ist Teiler der Zahl 150 (150 ÷ 3 = 50) und auch der Zahl 12 (12 ÷ 3 = 4).

Die Differenz der Zahlen 150 und 12 beträgt 138 (150 – 12 = 138).

Demnach ist die Zahl 3 auch Teiler von 138 (138 ÷ 3 = 46).

 

Diese Regel hilft nicht nur die Teilbarkeit von Zahlen zu untersuchen, sondern auch größere Zahlen zu dividieren. Die Summenregel (Differenzregel) gibt neben der Antwort: „Teilbar.“ oder „Nicht teilbar.“ auch konkrete Teilergebnisse wieder, welche dann abschließend zu einem Endergebnis addiert (subtrahiert) werden können.

 

Beispiel 1: Ist die Zahl 5224 durch die Zahl 4 teilbar?

 

5.224 ÷ 4 = 1.306

5200 ÷ 4 = 1300

24 ÷ 4 = 6

1.300 + 6 = 1306

 

Beispiel 2: Ist die Zahl 2025 durch die Zahl 3 teilbar?

 

2.025 ÷ 3 = 675

2.100 ÷ 3 = 700

75 ÷ 3 = 25

700 – 25 = 675

 

 

  • Teilbarkeitsregel

 

Wenn eine Zahl a Teiler einer Zahl n ist, dann ist jeder Teiler b der Zahl a auch ein Teiler der Zahl n.

 

  • Wenn a | n und b | a, dann gilt auch b | n.

 

Beispiel:

 

Die Zahl 168 ist durch Zahl 24 teilbar. Infolge sind auch alle Teiler der Zahl 24 {1; 2; 3; 4; 6; 8; 12} gleichermaßen Teiler der Zahl 168.

 

 

  • Quersummenregel

 

Die Quersumme Q einer Zahl n ist die Summe aus den einzelnen Ziffern der Zahl.

 

Beispiel:

 

n = 327

 

Q(327) = 3 + 2 + 7 = 12

 

  • Quersummenregel Zahl 3

 

Eine Zahl n ist durch die Zahl 3 teilbar, wenn ihre Quersumme durch die Zahl 3 teilbar ist.

 

  • Wenn 3 | Q(n), dann gilt auch 3 | n.

 

Beispiel: Ist die Zahl 31.245 durch die Zahl 3 teilbar?

 

Q(31245) = 3 + 1 + 2  + 4 + 5 = 15

 

Da Quersumme 15 durch die Zahl 3 teilbar ist, ist auch die Zahl 31.245 durch die Zahl 3 teilbar (31.245 ÷ 3 = 10.415).

 

  • Quersummenregel Zahl 6

 

Eine Zahl n ist durch die Zahl 6 teilbar, wenn ihre Quersumme durch die Zahl 3 teilbar und die Zahl gerade ist.

 

  • Wenn 3 | Q(n) und 2 | n , dann gilt auch 6 | n.

 

Beispiel: Ist die Zahl 5.478 durch die Zahl 3 teilbar?

 

Q(5478) = 5 + 4 + 7 + 8 = 24

 

Da Quersumme 24 durch die Zahl 3 teilbar ist und es sich um eine gerade Zahl handelt, ist auch die Zahl 5.478 durch die Zahl 6 teilbar (5.478 ÷ 6 = 913).

 

  • Quersummenregel Zahl 9

 

Eine Zahl n ist durch die Zahl 9 teilbar, wenn ihre Quersumme durch die Zahl 9 teilbar ist.

 

  • Wenn 9 | Q(n), dann gilt auch 9 | n.

 

Beispiel: Ist die Zahl 21.915 durch die Zahl 9 teilbar?

 

Q(21915) = 2 + 1 + 9  + 1 + 5 = 18

 

Da Quersumme 18 durch die Zahl 9 teilbar ist, ist auch die Zahl 21.915 durch die Zahl 9 teilbar (21.915 ÷ 9 = 2.435).

 

 

  • Endstellenregeln

 

Eine der einfacheren Teilbarkeitsregeln ist die Endstellenregel. Diese dient vorrangig zum schnellen Testen auf Teilbarkeiten.

 

  • Eine Zahl ist durch die Zahl 2 teilbar, wenn sie gerade, also ihre letzte Ziffer eine 2; 4; 6; 8 oder 0 ist.

 

Beispiel: Ist die Zahl 6.728 durch die Zahl 2 teilbar?

 

Da die letzte Ziffer 8 eine gerade Zahl und somit durch die Zahl 2 teilbar ist, ist auch die Zahl 6.728 ist durch die Zahl 2 teilbar (6.728 ÷ 2 = 3.364).

 

 

  • Eine Zahl ist durch die Zahl 4 teilbar, wenn ihre letzten beiden Stellen „00“ sind oder die aus den letzten beiden Ziffern gebildete Zahl durch die Zahl 4 teilbar ist.

 

Beispiel: Ist die Zahl 3.024 durch die Zahl 4 teilbar?

 

Da die letzten beiden Ziffern die Zahl 24 ergeben und die Zahl 24 durch die Zahl 4 teilbar ist (24 ÷ 4 = 6), ist auch die Zahl 3.024 ist durch die Zahl 4 teilbar (3.024 ÷ 4 = 756).

 

 

  • Eine Zahl ist durch die Zahl 5 teilbar, wenn ihre letzte Stelle die Ziffer „5“ oder die Ziffer „0“ ist.

 

Beispiel: Ist die Zahl 3.870 durch die Zahl 5 teilbar?

 

Da die letzte Ziffer eine „0“ ist, ist die Zahl 3.870 durch die Zahl 5 teilbar (3.870 ÷ 5 = 774).

 

  • Eine natürliche Zahl ist durch die Zahl 8 teilbar, wenn ihre letzten drei Stellen „000“ sind oder die aus den letzten drei Ziffern gebildete Zahl durch die Zahl 8 teilbar ist.

 

Beispiel: Ist die Zahl 67.128 ist durch die Zahl 8 teilbar?

 

Da die letzten drei Ziffern die Zahl 128 ergeben und die Zahl 128 durch die Zahl 8 teilbar ist (128 ÷ 8 = 16), ist auch die Zahl 67.128 ist durch die Zahl 8 teilbar (67.128 ÷ 8 = 8.391).

 

 

  • Eine natürliche Zahl ist durch die Zahl 10 teilbar, wenn ihre letzte Stelle eine „0“ ist.

 

Beispiel: Ist die Zahl 9.970 durch die Zahl 10 teilbar?

 

Da die letzte Stelle eine „0“ ist, ist die Zahl 9970 durch die Zahl 10 teilbar (9.970 ÷ 10 = 997).

 

  • Eine Zahl ist durch die Zahl 20 teilbar, wenn ihre letzte Stelle eine „0“ und ihre vorletzte Stelle eine gerade Zahl ist.

 

Beispiel: Ist die Zahl 7.180 durch die Zahl 20 teilbar?

 

Da die letzte Ziffer eine „0“ und die vorletzte Ziffer „8“ eine gerade Zahl ist, ist die Zahl 7.180 durch die Zahl 20 teilbar (7.180 ÷ 20 = 359).

 

 

  • Kombinieren von Teilbarkeitsregeln (Beispiele)

 

Durch einfaches Kombinieren von Teilbarkeitsregeln können weitere Regeln abgeleitet werden.

 

  • Eine Zahl ist durch die Zahl 12 teilbar, wenn sie durch die Zahl 3 und auch durch die Zahl 4 teilbar ist.

 

  • Eine Zahl ist durch die Zahl 15 teilbar, wenn sie durch die Zahl 3 und auch durch die Zahl 5 teilbar ist.

 

  • Eine Zahl ist durch die Zahl 18 teilbar, wenn sie durch die Zahl 2 und auch durch die Zahl 9 teilbar ist.

 

 

  1. Download

 

Die Teilbarkeitsregeln zum Ausdrucken enthalten neben den oben bereits genannten Teilbarkeitsregeln noch ein paar weitere Regeln.

 

Link zum Download

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Team Teaching https://www.hauslehrer.de/blog/team-teaching/ Sat, 09 Nov 2024 23:16:18 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=9267 Team Teaching: Vorteile, Formen und Einsatzmöglichkeiten im modernen Schulunterricht Wie benachteiligte und leistungsschwächere Schüler:Innen im konventionellen, staatlichen Schulbetrieb in Deutschland oft „untergehen“. Gehören wir bezüglich innovativer Unterrichtsmodelle zu den „Schlusslichtern“ in Europa? „In den Schulen herrscht immer noch ein Konzept aus dem vorigen Jahrhundert: Man nehme eine Gruppe Kinder, einen Raum, einen Bildungsplan und eine […]

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Team Teaching: Vorteile, Formen und Einsatzmöglichkeiten im modernen Schulunterricht

Wie benachteiligte und leistungsschwächere Schüler:Innen im konventionellen, staatlichen Schulbetrieb in Deutschland oft „untergehen“. Gehören wir bezüglich innovativer Unterrichtsmodelle zu den „Schlusslichtern“ in Europa?

„In den Schulen herrscht immer noch ein Konzept aus dem vorigen Jahrhundert: Man nehme eine Gruppe Kinder, einen Raum, einen Bildungsplan und eine Lehrkraft, die alles richten soll.“

So beurteilt Dagmar Schäfer, Initiatorin der Petition „Wandel für unsere Grundschulen“, die Anfang September 2024 in Baden-Württemberg dem dortigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), den Landtagsabgeordneten aller Fraktionen, dem Kultus- sowie dem Finanzministerium vorgelegt wurde, die Situation, mit der sich Lehrer:Innen an staatlichen deutschen Schulen aktuell nach wie vor konfrontiert sehen.

Nicht jedes Kind ist gleichermaßen in der Lage, dem Druck unserer Leistungsgesellschaft standzuhalten, dem es bereits als Schüler:In in unserem staatlichen Schulsystem ausgesetzt wird. Manch eines von ihnen bleibt dabei schlicht „auf der Strecke“. Besonders gefährdet sind etwa Kinder, die unter emotionalen Belastungen, psychischen Problemen oder Teilleistungsstörungen (z. B. Dyskalkulie, Legasthenie) leiden. Auch ein schwieriges soziales Umfeld, insbesondere familiärer Art, kann zu Lernbenachteiligungen führen, ebenso, wie in vielen Fällen die generellen Herausforderungen der Lebensphase Jugend. Schüler:Innen, die solche Problematiken nicht bewältigen, kann im klassischen deutschen Schulbetrieb oft nicht genug individuelle Förderung geboten werden, um ihre Potentiale zu entfalten. Die Gründe für diese Missstände liegen etwa in der Personalknappheit im Schuldienst, in mangelnder Lehrerfortbildung oder in zu großen Klassen. Die Klassengrößen lagen laut dem Statistischen Bundesamt in 2023/24 je nach Schulform durchschnittlich zwischen 19 und 26 Schüler:Innen pro Klasse1. Auch Schulklassen mit 30 und mehr Schüler:Innen sind durchaus keine Seltenheit.

Typische Auswirkungen sind Schulstress und Überforderung von leistungsschwächeren Schüler:Innen, die zu Schulversagen führen können. Dieses wiederum hat oft Schulangst und Schulvermeidung zur Folge. Zwar sind spezielle Förderstrategien im deutschen Schulsystem ansatzweise bereits vorhanden, wie z. B. zusätzliche Förder- und Ergänzungsangebote oder die Ganztagsbetreuung. In Bezug auf letztere ist ab 1. August 2026 bundesweit die stufenweise Umsetzung eines Rechtsanspruchs2 für Kinder im Grundschulalter nach dem Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) vorgesehen. Jedoch stellt sich die Frage, inwieweit die bisherigen, zum Teil ja erst geplanten Maßnahmen wirklich ausreichend sind. Als ein Indiz für die Schwächen des staatlichen Schulsystems in Deutschland kann neben den mäßigen Ergebnissen bei internationalen Schülerleistungsvergleichen, wie PISA, in den letzten Jahren unter anderem die hohe Zahl von Schulabbrechern ohne Schulabschluss herangezogen werden. So hat Deutschland derzeit die vierthöchste Schulabbrecherquote innerhalb der EU (in 2022: 12,2 %)3.

Als eine denkbare Option zur Verbesserung der Lage an unseren Schulen sollen in diesem Artikel die in Deutschland bislang nur wenig verbreiteten Mehrpersonen-Unterrichtsmodelle – oft auch kurz als „Team Teaching“ bezeichnet – vorgestellt werden.

Was ist Team Teaching?

Team Teaching ist ein kollaboratives Unterrichtsmodell, bei dem zwei oder mehr Lehrkräfte gemeinsam eine Klasse unterrichten. Es umfasst in der Regel die gemeinsame Unterrichtsplanung, -durchführung und –reflexion der beteiligten Lehrkräfte. Dieses Modell wird in verschiedenen Schulformen allmählich immer beliebter, besonders in inklusiven Klassen, wo es darum geht, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schüler einzugehen. Team Teaching nutzt flexibel die unterschiedlichen Kompetenzen der Lehrkräfte, um einen abwechslungsreicheren und differenzierten Unterricht zu ermöglichen. Doch wie funktioniert diese Methode genau, welche Formen gibt es, und welche Herausforderungen müssen überwunden werden?

Formen des Team Teachings

Team Teaching lässt sich in mehrere Modelle kategorisieren, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen:

  • Tandem-Unterricht: Dies ist die häufigste Form des Team Teachings. Hierbei handelt es sich quasi um Team Teaching „im engeren Sinne“. Zwei Lehrkräfte unterrichten gemeinsam, teilen sich die Unterrichtsverantwortung und interagieren gleichwertig mit den Schülern. Diese Methode ermöglicht es den Lehrkräften, voneinander zu lernen, verschiedene pädagogische Ansätze zu kombinieren und den Unterricht abwechslungsreicher zu gestalten.
  • Niveaudifferenziertes Unterrichten (Alternative Teaching): Eine Lehrkraft unterrichtet den Großteil der Klasse, während die zweite Lehrkraft mit einer kleineren Gruppe arbeitet, die entweder Nachholbedarf hat oder weiterführendes Material bearbeitet. Diese Methode ist insbesondere nützlich, um auf unterschiedliche Lernniveaus in einer Klasse einzugehen.
  • Unterrichten und assistieren (One Teach, One Assist): Eine Lehrkraft übernimmt die Leitung des Unterrichts, während die andere Lehrkraft Schüler individuell unterstützt, sei es durch gezielte Hilfestellungen oder durch die Überwachung von Gruppenarbeiten. Als assistierende Kraft können neben ausgebildeten Lehrer:Innen auch sonstige pädagogische Fachkräfte, wie z. B. Lerntherapeuten, Psychologen oder Sozialarbeiter fungieren. Eine solche Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams beinhaltet besondere Chancen, da sich die einzelnen Mitarbeiter:Innen mit ihren jeweiligen fachlichen Schwerpunkten gegenseitig ergänzen. Nicht zuletzt ist diese Methode bei inklusiven Klassen sinnvoll, in denen es notwendig ist, Schüler mit Förderbedarf individuell zu betreuen.
  • Paralleles Unterrichten (Parallel Teaching): Hier wird die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt, die von je einer Lehrkraft separiert unterrichtet werden. Diese Form eignet sich vor allem bei besonders großen Lerngruppen.

Diese flexiblen Modelle zeigen, wie vielseitig Team Teaching sein kann. Es geht darum, den Unterricht so zu gestalten, dass er den Bedürfnissen aller Schüler gerecht wird und gleichzeitig die Stärken der Lehrkräfte optimal genutzt werden.

Vorteile des Team Teachings für Schüler und Lehrer

Der größte Vorteil von Team Teaching liegt in der Individualisierung des Lernens. Gerade in Klassen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus und Bedürfnissen können zwei Lehrkräfte gezielt auf die einzelnen Schüler eingehen und den Unterricht anpassen.

Zu den Hauptvorteilen des Team Teachings gehören:

  • Bessere Differenzierung: Durch die Arbeit im Tandem können Lehrkräfte den Unterricht stärker differenzieren, d.h. sie können Aufgaben, Materialien und Methoden an die unterschiedlichen Lernstände der Schüler anpassen. Schüler, die schneller vorankommen, erhalten anspruchsvollere Aufgaben, während leistungsschwächere Schüler intensivere Unterstützung bekommen.
  • Mehr Perspektiven- und Methodenvielfalt: Jede Lehrkraft bringt ihre eigenen Erfahrungen, Kompetenzen und Lehrmethoden mit in den Unterricht ein. Dadurch entsteht eine größere Vielfalt an Lernmöglichkeiten, was besonders wichtig ist, um den verschiedenen Lerntypen in einer Klasse gerecht zu werden.
  • Entlastung für Lehrer:Innen: Der Unterricht mit einem Co-Lehrer bewirkt auch eine Entlastung der Lehrkräfte. Die Verantwortung wird geteilt, was den Lehrkräften erlaubt, sich auch in schwierigen Situationen besser zu konzentrieren und Aufgaben effizienter zu verteilen. Das kann langfristig die Arbeitsbelastung reduzieren und die Qualität des Unterrichts erhöhen.
  • Weniger Unterrichtsausfall: Wenn eine Lehrkraft unerwartet ausfällt, kann die zweite Lehrkraft einspringen und den Unterrichtsstoff fortführen. Dies sorgt für mehr Kontinuität im Lernprozess.

So sind denn auch die Bewertungen und Erfahrungsberichte, die man in der pädagogischen Literatur und im Netz zu diesem Thema findet, überwiegend positiv.

Als ein konkretes Beispiel hierfür sei etwa ein Pilotprojekt in Thüringen genannt, bei dem im Rahmen einer Studie die Korrelation zwischen Sozialpädagogischen Teamteaching (STT), bei dem eine Lehrkraft und ein(e) Sozialpädag:In gemeinsam eine Lerngruppe betreuen, an mehreren Schulen getestet und erforscht wird. Die Evaluation der bereits abgeschlossenen ersten Förderperiode (2019-2022) zeigt, dass Schüler mit Unterstützungsbedarf signifikant profitieren, da ihre Lernbarrieren besser erkannt und gezielt angegangen werden können. Eine zweite Förderperiode (2023-2025), bei der auch Kontrollgruppen miteinbezogen werden, befindet sich gerade in der Durchführungsphase4.

Ein Scoping Review (explorative Literaturstudie) des Berliner Instituts für Innovation und Technik (IIT) mit dem Titel „Multiprofessionelle Teams an Schulen“5 sieht in diesem Umfeld zwar insgesamt noch eine Forschungslücke, kommt aber zu dem Schluss: „Neben den Problemfeldern in der Zusammenarbeit wurde jedoch deutlich, dass die multiprofessionelle Zusammenarbeit sowohl für Schüler:innen als auch für die beteiligten Berufsgruppen vielfältige Vorteile bieten kann, vorausgesetzt, die Schulen schaffen geeignete Rahmenbedingungen (insbesondere in Bezug auf zeitliche und räumliche Ressourcen) für die Kooperation.“ (S. 5/6).

Herausforderungen beim Team Teaching

Obwohl Team Teaching viele Vorteile bietet, sind auch einige Herausforderungen zu beachten:

  • Koordination und Kommunikation: Team Teaching erfordert eine enge Abstimmung zwischen den Lehrkräften sowie ggf. weiteren beteiligten Berufsgruppen. Sie müssen regelmäßig gemeinsam den Unterricht planen, ihre Aufgaben verteilen und den Fortschritt der Schüler besprechen. Diese enge Zusammenarbeit kann zeitaufwändig sein, insbesondere wenn die Lehrkräfte unterschiedliche Unterrichtsstile oder Erwartungen haben.
  • Personalmangel: Viele Schulen, insbesondere in Deutschland, kämpfen mit einem akuten Lehrermangel. Das erschwert die Umsetzung von Team Teaching, da oft schlichtweg nicht genug Personal zur Verfügung steht. Große Klassen und ein Mangel an pädagogischen Fachkräften machen es schwierig, innovative Mehrpersonen-Unterrichtsmodelle flächendeckend einzuführen.

Allerdings existieren diesbezüglich in mehreren Bundesländern durchaus auch Lösungsansätze, wie etwa das Angebot eines freiwilligen pädagogischen Jahres, die Erleichterung von Quer- und Direkteinstiegen in den Schuldienst oder die Öffnung des Schuldienstes auch für Nichtakademiker mit einer passenden Berufsausbildung. Beispiel Baden-Württemberg: Dreijährige pädagogische Schulung für Sonderschulen (bereits umgesetzt) und demnächst auch für Grundschulen (in Planung).

  • Kosten und organisatorische Hürden: Die Einführung von Team Teaching erfordert zusätzliche finanzielle Ressourcen. Zwei oder mehr Lehrkräfte in einem Klassenzimmer zu haben, ist teurer als der herkömmliche Frontalunterricht. Oft fehlt es den Schulen an den notwendigen Mitteln, um Team Teaching in den Alltag zu integrieren.

Verbreitung von Team Teaching und Unterrichtsmodellen mit multiprofessionellen Teams im internationalen Vergleich

Deutschland gehört im internationalen Vergleich oft zu den „Schlusslichtern“, wenn es um die Umsetzung von innovativen Unterrichtsformen, wie Team Teaching. geht. In Ländern wie Finnland oder Kanada sind multiprofessionelle Teams aus Lehrern, Sonderpädagogen und Schulpsychologen längst Teil des Schulalltags6. Diese Teams sorgen dafür, dass Schüler nicht nur fachlich, sondern auch emotional und sozial umfassend betreut werden. In Deutschland gibt es hingegen erst wenige Pilotprojekte, und die personellen sowie finanziellen Ressourcen für solche Modelle sind oft begrenzt. Am ehesten findet man solche innovativen Ansätze bei vereinzelten „Leuchtturm-Schulen“ in privater Trägerschaft. Angesichts der hohen Zahl von Schulabbrechern und der überdurchschnittlich hohen Quote an Schülern ohne Abschluss [vgl. oben] bleibt viel Raum für Verbesserungen.

Bleibt also zu hoffen, dass auch in Deutschland die Politik die Weichen für eine stärkere Verbreitung der hier beschriebenen Unterrichtsmodelle stellen wird. Doch der Weg dorthin ist noch lang. Und selbst im Falle einer positiven Weiterentwicklung wird es der staatliche „Massenschulbetrieb“, in dem der „Faktor Mensch“ oft nicht genügend gewürdigt werden kann, wohl nie ganz schaffen, jede Schülerin / jeden Schüler mit Förderbedarf individuell „aufzufangen“. Eine gute Alternative, um die Schwächen und Grenzen des konventionellen Schulsystems zu kompensieren, können übrigens private, ergänzende Unterstützungsangebote darstellen, wie etwa die des ganzheitlich und schülerzentriert arbeitenden Nachhilfeinstituts „die hauslehrer“. Denn hier werden den Schüler:Innen vonseiten pädagogisch und psychologisch geschulter Lehrkräfte in einer stress- und angstfreien Lernatmosphäre ein Maß an Zuwendung und Aufmerksamkeit zuteil, das ihnen im Schulalltag sonst kaum geboten werden kann. Nähere Informationen unter: https://www.hauslehrer.de/leistungen-angebot/.

Fazit: Die Zukunft des Team Teachings

Team Teaching ist ein vielversprechendes Modell, das das Potenzial hat, den Unterricht in heterogenen und inklusiven Klassen nachhaltig zu verbessern. Durch die Zusammenarbeit von Lehrkräften können Schüler individueller gefördert und Unterrichtsausfälle reduziert werden. Trotz der Herausforderungen in Bezug auf Personalmangel und Ressourcen könnte Team Teaching in Zukunft eine zentrale Rolle in der Bildungslandschaft spielen.

Deutschland hat hier im internationalen Vergleich noch einiges aufzuholen, doch die positiven Erfahrungen aus Pilotprojekten und aus anderen Ländern zeigen, dass Mehrpersonen-Unterricht ein Weg sein könnte, um den Herausforderungen des Bildungssystems gerecht zu werden und allen Schülern eine faire Chance auf Bildung zu bieten.

 

Verwendete Literatur:

2) https://www.stmas.bayern.de/ganztagsbetreuung/rahmenbedingungen/index.php

Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales: Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder – Rahmenbedingungen / Rechtsanspruch

1) https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/Bildungsindikatoren/schueler-klasse-tabelle.html

DESTATIS (Statistisches Bundesamt): Schülerinnen und Schüler je Klasse.

https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/die-zehn-wichtigsten-ergebnisse-der-pisa-studie/

Anders, Florentine (2024): PISA-Studie: Die wichtigsten Ergebnisse und Reaktionen. Deutsches Schulportal der Robert Bosch Stiftung.

Grubitzsch/Relixius (Hrsg.): Psychologische Grundbegriffe. Mensch und Gesellschaft in der Psychologie. Reinbek 1987 Rowohlt Verlag

6) https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/multiprofessionelle-teams-so-arbeiten-sie-in-finnland-kanada-und-der-schweiz/

Hermes, Sandra (2023): Multiprofessionelle Teams – So arbeiten sie in Finnland, Kanada und der Schweiz. Deutsches Schulportal der Robert Bosch Stiftung.

https://www.openpetition.de/petition/online/primarstufe-baden-wuerttemberg-machen-wir-schulen-zu-guten-orten-wandel-fuer-unsere-grundschule-2

openPetition: Primarstufe Baden-Württemberg #Machen wir Schulen zu guten Orten #Wandel für unsere Grundschulen

5) Otto, Stephan; Wasserfuhr, Veit (2024): Multiprofessionelle Teams an Schulen. Ein Scoping Review. iit-perspektive Nr. 73.

Institut für Innovation und Technik, Berlin.

(Download-Link: https://www.iit-berlin.de/publikationen/)

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/zwei-lehrer-an-grundschulen-initiative-gute-schule-jetzt-bw-100.html

SWR Aktuell: Bürgerinitiative will Tandem-Unterricht – Freiburg als Modell? Petition für zwei Lehrkräfte in Grundschulklassen

Werner, Christopher (2021): Schulabsentismus als jugendliches Problemverhalten. Erklärungsansätze und Möglichkeiten der sozialarbeiterischen Auseinandersetzung.

In: Abschlussarbeiten im Kontext der Handlungsfelder Nonformaler Bildung. Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung.

4) https://www.teamteaching.de/116/erfolgsmomente-1

Wissenschaftliche Evaluation des Programms Sozialpädagogisches Teamteaching

https://www.sw.eah-jena.de/institute-projekte/forschung/evaluierung-des-sozialpaedagogischen-teamteachings/

Evaluation des Sozialpädagogischen Teamteachings an Thüringer Schulen: eine Studie zur Erforschung der Wirk- und Gelingens-Faktoren (EvaTeamTeach)

3) https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2024-02/schulabbrecher-quote-deutschland-eu-durchschnitt

ZEIT ONLINE: Deutschland hat EU-weit die vierthöchste Schulabbrecherquote

 

 

 

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Tipps zum Üben von Diktaten https://www.hauslehrer.de/blog/tipps-zum-ueben-von-diktaten/ Sun, 03 Jul 2022 08:00:29 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=8742 Ob Diktate Sinn machen, also allein das Lernen für ein Diktat einen positiven Einfluss auf eine bessere Rechtschreibung hat, ist sehr umstritten. Gerade Grundschulkinder üben sehr intensiv für Diktate, um ihre Deutschnote nicht zu verschlechtern. Kommt es trotz aller Anstrengung dennoch zu schlechten Diktatnoten, bekommen einige Kinder regelrecht „Diktatangst“, was das Üben von Lernwörtern und […]

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Ob Diktate Sinn machen, also allein das Lernen für ein Diktat einen positiven Einfluss auf eine bessere Rechtschreibung hat, ist sehr umstritten. Gerade Grundschulkinder üben sehr intensiv für Diktate, um ihre Deutschnote nicht zu verschlechtern. Kommt es trotz aller Anstrengung dennoch zu schlechten Diktatnoten, bekommen einige Kinder regelrecht „Diktatangst“, was das Üben von Lernwörtern und Rechtschreibregeln für die Betroffenen nicht einfacher macht. Ein paar Tipps zum Üben von Diktaten können dabei unterstützen, Kindern etwas die Angst vor einem Diktat zu nehmen und das Üben für Diktate stressfreier zu gestalten.

Angst nehmen

Viele Kinder haben Angst vor Diktaten, weil sie befürchten, mit einer hohen Fehlerzahl und einer schlechten Note Ärger zu Hause zu bekommen oder vor der Klasse bloßgestellt zu werden. Eltern sollten daher gerade bei Diktaten darauf verzichten, zu hohe Erwartungen an ihre Kinder zu stellen oder Notendruck aufzubauen. Vielmehr sollten Fleiß und Motivation Messgrößen für die Vorbereitung auf ein Diktat sein.

Positiv bestärken

Damit Kinder beim Üben nicht die Lust verlieren, brauchen sie viel Anerkennung. Auch ein kleines, aber ehrlich gemeintes Lob sorgt dafür, dass Kinder ihren Übungswillen nicht so leicht verlieren.

Kleine Bestätigungen, wie:
„Schön, wie du dich die ganze Zeit konzentriert hast.“
„Du wirst jeden Tag ein bisschen sicherer.“
„Toll, dass du die Fehlerwörter jetzt richtig geschrieben hast.“

können bei Kindern Wunder bewirken.

Feste Übungszeiten

Für ein Diktat zu üben, kostet nicht nur viel Zeit, es bedarf auch ein gewisses Maß an Konzentration. Deshalb sollten für das Lernen von Lernwörtern und das Schreiben von Diktatübungen konkrete Zeiten außerhalb der Hausaufgabenzeit festgelegt werden. Klare zeitliche Rahmenbedingungen zwischen Eltern und Kindern schaffen Sicherheit und machen den Kopf für das Üben frei. Für das Üben von Diktaten sollten klare und reale Übungsziele festgelegt werden. Sind diese erreicht, kann das Lernen unabhängig von der vereinbarten Übungszeit beendet werden.

Frühzeitig mit dem Üben beginnen

Je größer die Anzahl der neuen Lernwörter und die Länge der Diktattexte ist, desto früher sollte mit dem Üben begonnen werden. Hierbei ist es sinnvoll, zuerst die neuen Rechtschreibregeln und Lernwörter zu üben und erst im Anschluss ganze Sätze und Texte zu schreiben. Kinder, die von Anfang an ganze Diktate üben, finden es oft demotivierend, wenn die Fehlerzahl viel zu hoch ist.

Diktieren wie beim Diktat

Beim Diktieren von Texten sollte der gleiche Ablauf und das gleiche Sprechtempo geübt werden wie bei einem „scharfen“ Diktat. Die Kinder gewöhnen sich so an die an sie gesetzten Anforderungen und sind dann beim eigentlichen Diktat nicht irritiert.

In der Regel laufen Diktate so ab:

  • Das ganze Diktat wird einmal komplett vorgelesen (ist nicht überall üblich).
  • Der ganze Satz wird einmal vorgelesen.
  • Der gleiche Satz mit Sprechpausen und gegebenenfalls klassenstufenabhängig mit Satzzeichen diktiert.
  • Nach Beendigung des Diktates wird Zeit zur Eigenkontrolle gegeben.

Eltern und Kinder, die sich über den Ablauf eines Diktates im Unklaren sind, sollten bei der Lehrkraft in der Schule einfach mal nachfragen.

Richtiges Korrigieren von Fehlerwörter

Grundsätzlich gibt es zwei Arten fehlerhafte Schreibweisen zu korrigieren:

  • Falsches Wort mit Tintenkiller entfernen und dann das richtige einsetzen.
  • Durchstreichen mit Füller oder Bleistift und neu schreiben. Ist kein Platz für das neue Wort, dann ein Einfüge-Zeichen (V) setzen und das Wort am Ende des Diktates richtig hinschreiben.

Auch hier sollten Eltern vor dem Üben eines Diktates nachfragen, was von der Lehrkraft hier abverlangt wird beziehungsweise was erlaubt ist.

Tipp: Werden keine Vorgaben gemacht, ist es besser, falsch geschriebene Wörter sauber durchzustreichen. Das geht in der Regel nicht nur schneller und ist sauberer, sondern hat auch für die Kinder einen gewissen Lerneffekt.

Berichtigen von Fehlerwörtern

Kinder sollten beim Berichtigen von Übungsdiktaten das fehlerhafte Wort mehrfach richtig aufschreiben. Zudem kann zu Übungszwecken eine Fehlertabelle geführt werden, um im Kopf eine Verbindung zwischen dem Fehlerwort und der Rechtschreibregel herzustellen. Wird bei den Fehlern ein Muster erkannt, kann zudem die zugehörige Rechtschreibregel an anderen Beispielwörtern geübt werden.

Fehlertabelle

Abb. 1: «Fehlertabelle» (Andre Wiesener © die hauslehrer GmbH & Co. KG)

Abwechslungsreich üben

Abschreibdiktat

Das Abschreibdiktat eignet sich besonders zum Erlernen der Rechtschreibung von neuen Wörtern. Falls nicht im Diktat schon markiert oder farblich hervorgehoben, ist es sinnvoll, die neuen Lernwörter vorab zu unterstreichen. Dieses hilft den Kindern dabei, sich auf die neu zu erlernenden Wörter besser zu konzentrieren.

Laufdiktat (Schleichdiktat)

Das Laufdiktat ist einer mehr spielerische Variante des Übens von Diktaten.

Beim Laufdiktat wird der zu schreibende Text ein paar Meter entfernt vom Schreibtisch an die Wand, eine Schranktür oder das Fenster geklebt. Die Buchstabengröße sollte hierbei nicht zu klein gewählt werden. Das Kind „schleicht“ beziehungsweise geht ruhig vom Schreibplatz zum Diktattext, merkt sich eine Wortgruppe, einen Satz oder einen kleinen Abschnitt, geht zurück zum Schreibplatz und schreibt das Gemerkte auf.

Beim Laufdiktat werden neben der Rechtschreibung auch die Konzentration und die Merkfähigkeit geübt. Diese Form des Übens ist besonders für Kinder mit erhöhtem Bewegungsdrang und Kinder, welche schwer ruhig sitzen können, geeignet.

Fragediktat

Beim Fragediktat hat das Kind die Möglichkeit, nach der richtigen Schreibweise eines Wortes zu fragen, wenn es sich unsicher ist. Hierbei geht es aber nicht um Vorsagen oder Vorbuchstabieren. Das Kind wird vielmehr durch Antworten auf dessen Fragen und gezielte Hinweise (Rechtschreibregeln, Eselsbrücken, deutliche Aussprache) zur richtigen Schreibweise hingeführt. Diese Form des Übens schult bei Kindern in besonderem Maße die Selbstverantwortung, bei schwierigeren Wörtern vor dem Schreiben richtig nachzudenken.

Würfeldiktat

Sechs neu zu lernenden Wörter und Wörter mit Fehlerschwerpunkten werden in eine Reihe geschrieben. Es werden insgesamt sechs Reihen, also 36 Wörter benötigt. Die einzelnen Reihen werden mit den Zahlen 1 bis 6 nummeriert. Durch Würfeln wird entschieden, welches Wort abgeschrieben oder diktiert wird. Der erste Wurf bestimmt die Reihe und der zweite Wurf das jeweilige Wort in der Reihe. Das Kind würfelt so oft, bis es alle Wörter einmal „getroffen“ hat. Versteckte Absicht ist hierbei natürlich, dass das Kind einzelne Wörter öfters schreibt, weil das Wort öfters „getroffen“ wurde, bevor das Spiel zu Ende ist.

Tipp: Das Würfeldiktat kann man auch gut mit dem Galgenmännchen-Spiel kombinieren. Bei richtig geschriebenen Wörtern bekommt der Vorsprechende einen Strich und bei falsch geschriebenen Wörtern das Kind.

Lernkarteikarten für neue Lernwörter nutzen

Für Wörter, welche sehr schwierig zu schreiben sind oder welche nicht klar den gängigen Rechtschreibregeln zuzuordnen sind, ist es hilfreich, diese auf kleine Karteikarten zu schreiben und regelmäßig zu wiederholen (siehe das Karteilernsystem von „die hauslehrer“). Auf die Karteikarte können neben dem eigentlichen Wort zum Beispiel auch ein kleiner Satz, verwandte Wörter oder der Wortstamm geschrieben werden. Geübt werden können die Wörter nicht nur durch Schreiben, sondern auch durch Buchstabieren, Finden verwandter Wörter oder Aufsagen der Rechtschreibregel.

Rechtschreibregeln und Eselsbrücken regelmäßig wiederholen und üben

Um langfristig die Rechtschreibung zu verbessern und in Folge um auch langfristig bessere Ergebnisse in Diktaten erzielen zu können, sollten die wichtigsten Rechtschreibregeln und die wichtigsten Eselsbrücken der Rechtschreibung regelmäßig wiederholt werden. Nur so haben die Kinder die Möglichkeit, bei Unsicherheiten über die richtige Schreibweise, sich selbst anhand der Rechtschreibregeln und Eselsbrücken zu überprüfen.

Fazit

Es ist müßig, sich über Sinn und Unsinn von Diktaten zu streiten. Werden Diktate geschrieben, gilt es Schülerinnen und Schüler in geeigneter Wiese darauf vorzubereiten. Neben dem eigentlichen Lernen und Üben ist eine gute Kommunikation zwischen der Deutschlehrkraft, den Eltern und Schülerinnen und Schülern ein sehr gutes Mittel, um das Üben für Diktate individuell auf den Einzelnen abstimmen zu können.

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Handschrift als zentraler Faktor für einen erfolgreichen Schulalltag https://www.hauslehrer.de/blog/handschrift-als-zentraler-faktor-fuer-einen-erfolgreichen-schulalltag/ Mon, 13 Jun 2022 10:00:32 +0000 https://www.hauslehrer.de/?p=8725 „Lukas, streng dich doch bitte nur ein bisschen an beim Abschreiben und mach auch etwas schneller. Die anderen sind ja schon fast doppelt so weit wie du. Die letzten zwei Sätze sind ja gar nicht lesbar! Wo fängt das eine Wort an und wo hört es auf? Schreib sie bitte neu, ja?“ „Die ganzen zwei […]

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„Lukas, streng dich doch bitte nur ein bisschen an beim Abschreiben und mach auch etwas schneller. Die anderen sind ja schon fast doppelt so weit wie du. Die letzten zwei Sätze sind ja gar nicht lesbar! Wo fängt das eine Wort an und wo hört es auf? Schreib sie bitte neu, ja?“

„Die ganzen zwei letzten Sätze?“

„Ja, das ist doch nun wirklich nicht viel. Und jetzt beeil dich und schreibe sauber!“

Lukas schaut entmutigt auf sein Blatt. Er hat sich doch schon Mühe gegeben und es sieht wieder nicht sauber aus. Er ist sowieso schon ein langsamer Schreiber, jetzt muss er aber auch noch zwei ganze Sätze neu schreiben – und auch noch in Schönschrift. Da wird er den anderen Schülern noch weiter hinterherhinken! Er atmet tief durch und macht sich an die Arbeit. Insgeheim freut er sich schon auf die naturwissenschaftlichen Fächer, da machen sie gerade Versuche und man muss nicht viel schreiben.

Lukas steht stellvertretend für 53 Prozent aller Jungen und 33 Prozent aller Mädchen, die Schwierigkeiten mit ihrer Handschrift und damit verbunden auch dem zügigen Schreiben haben. Bei insgesamt 70 Prozent aller Schülerinnen und Schüler stellen Lehrkräfte heutzutage Probleme bei der Handschrift fest – mit weitreichenden Auswirkungen auf Motivation, Psyche und Schulerfolg der Betroffenen (vgl. Welt)[1].

Aufgrund dieser Beobachtungen hat das Schreibmotorik-Institut in Kooperation mit dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) und den 16 VBE Landesverbänden zwischen 2015 und 2019 eine bundesweite Umfrage bei Lehrkräften durchgeführt: STEP 19. Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben.[2] So sagt die Geschäftsführerin des Instituts, Marianela Diaz Meyer laut Welt: „Es geht dabei nicht in erster Linie ums Schönschreiben oder um eine Kulturtechnik, die heute mehr oder weniger verzichtbar erscheint. Handschreiben unterstützt die Rechtschreibung, das Lesen, das Textverständnis, letztlich die schulischen Leistungen insgesamt.“ (zitiert aus: Welt)

Bevor wir aber noch weiter in die Thematik einsteigen, führen wir doch einen kurzen Faktencheck durch.

Faktencheck

  • 70 Prozent aller Schülerinnen und Schüler schreiben häufig bis sehr häufig unleserlich, 65 Prozent schreiben zu langsam (vgl. Welt)
  • Nur 40 Prozent aller Sekundarschülerinnen und Schüler können 30 Minuten oder länger ohne Beschwerden schreiben (vgl STEP)
  • 89 Prozent der Lehrkräfte beobachten eine Verschlechterung in der Schreibkompetenz der Grundschüler
  • Nein, in Finnland wurde nicht aufgehört Handschrift zu unterrichten, um nur noch mit Tastaturen Texte zu verfassen. (vgl. FAZ)[3]

Handschrift in der Schule – Begriffserklärung

DS, LA, VA, SAS – wer hätte wissen können, dass die Handschrift in der Schule eine Wissenschaft für sich ist? Wir beginnen zunächst die Kürzel aufzulösen: DS = Druckschrift, LA = Lateinische Ausgangschrift, VA = Vereinfachte Ausgangschrift und SAS = Schulausgangsschrift. Nachdem wir die Begriffe benannt haben, sollen sie nun in eine zeitliche Abfolge gebracht und knapp erklärt werden.

Dass die Druckschrift die erste aller Schriften ist, die in der Schule gelehrt wird, wissen wir noch alle durch unsere eigenen Erfahrungen aus der Grundschule. Auch alle digitalen bzw. gedruckten Texte sind in Druckschrift abgebildet. So gesehen ist diese also die bekannteste und alltäglichste Schrift. Dennoch ist das Schreiben per Hand in Druckschrift nicht effizient: Zu umständlich, zu langsam. Aufgrund dieses Umstands wird den Schulkindern in der Grundschule noch eine andere Schrift beigebracht, die Schreibschrift. Ein verbindendes Schreiben soll Schreibgeschwindigkeit bringen und Verkrampfungen vorbeugen. LA, VA und SAS sind jeweils Schreibschriften, die jedoch mit der Zeit abgelöst bzw. parallel unterrichtet wurden und werden. In einigen Bundesländern ist heute vorgeschrieben, welche Ausgangsschrift gelehrt werden soll, in anderen nicht.

Lateinische Ausgangschrift

Die Lateinische Ausgangsschrift (LA): Die KMK (Kultusministerkonferenz) führte diese 1953 verbindlich in allen Grundschulen ein, um den Schulkindern einen Ausgangspunkt für eine effiziente und mit der Zeit persönliche Handschrift zu bieten. Wer einmal alte Briefe der Groß- oder Urgroßeltern gelesen hat, erkennt noch eine Ähnlichkeit mit der Deutschen Normalschrift, die bis 1953 vorherrschte. Zwar wurden Schnörkel und Bögen vereinfacht, dennoch sahen vor allem die Großbuchstaben noch sehr gemalt aus. Insbesondere das große A in der LA ist bezeichnend für diese Schrift (vgl. Klett)[4]:

Vereinfachte Ausgangsschrift

Doch genau wegen der vielen Schnörkel und Richtungswechsel beim Schreiben konnte sich die LA nicht durchsetzen und erntete viel Kritik. Daher wurde zwischen 1969 und 1972 die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA) erprobt und anschließend eingeführt. Buchstaben wurden vereinfacht, „entschnörkelt“, und ähneln mehr der Druckschrift. Das berühmte große A hat damit auch seinen „Bauch“ verloren. Ziel war es, die Schreibschrift lernerfreundlicher und effizienter zu gestalten. Charakteristisch ist außerdem, dass sich fast alle Kleinbuchstaben am Mittelband (die „mittlere“ Linie in Schreibheften von Erstklässlern) orientieren. Doch auch an der VA wird Kritik geübt. So heißt es, dass die Schrift bei Schreibanfängern unkoordiniert und orientierungslos sei, sobald die Mittellinie wegfällt und es nur noch eine einfache Schreiblinie gibt (vgl. ebd)

Schulausgangsschrift

So ergab es sich, dass 1968 in der DDR eine weitere Schreibschrift entwickelt wurde: Die Schulausgangsschrift (SAS) gilt heute als weitere Alternative in den Grundschulen. Sie entwickelte sich ebenfalls aus der LA, soll aber dynamischer und rhythmischer sein und daher zu einem besseren Schreibgefühl beitragen. Ähnlich wie bei der LA wird die SAS jedoch wieder wegen ihrer Drehrichtungswechsel und Deckstriche (wie bei der kleinen Schreibschrift „b“) kritisiert (vgl. ebd).

Grundschrift

Mit dieser Schrift sind wir auf dem neusten Stand der heutigen Lehrschriftentwicklung angekommen. 2011 wurde sie vom Grundschulverband vorgestellt. Die Idee des Konzepts ist es, dass die Grundschülerinnen und -schüler direkt nach dem Erlernen der Druckschrift übergehen zur Entwicklung ihrer eigenen individuellen Handschrift – es steht ihnen frei, ob sie „die Buchstaben unverbunden, verbunden oder teilverbunden“ schreiben (ebd.).

Schon die Entwicklungen in der Schulpolitik mit Bezug auf die Handschrift lassen erkennen: Einigkeit darüber, welche Schrift erlernt werden soll, herrscht nicht!
So wird mittlerweile gesagt, dass der Unterschied zwischen der Schulausgangsschrift (vorherrschende Schreibschrift) und der Druckschrift eher „fiktiv“ sei, weil bei der Druckschrift auch eine Verbindung der Buchstaben erfolge, allerdings eben in der Luft (News 4 Teachers, Das Bildungsmagazin)[5]

Sinnhaftigkeit von „guter Handschrift“

Auch in Zeiten der Digitalisierung bleibt eine (gute) Handschrift aus folgenden Gründen wichtig: Lesbarkeit, schnelles Schreiben, Ästhetik, Ordnung, Emotionalität, Kognition – sprich, für den Alltag, aber auch den reibungsloseren Schulalltag.

Da es sich hier um einen Bildungsblog handelt, konzentrieren wir uns auf schulzentrale Faktoren.

Lesbarkeit, schnelles Schreiben und Ordnung

Die Heftnote droht schon wieder. Bei Lukas dreht sich der Magen um. Heftnoten sind nie erfreulich für ihn. Warum gibt es die überhaupt? Ist doch meine Sache, wie ich schreibe!

Heftnoten sind kein Ordnungszwang (und keine Inhaltskontrolle), sondern eine Übung in Formalitäten und tatsächlich eine Hilfe zur Selbsthilfe. Lukas bemüht sich ja schon, ordentlich zu schreiben, ohne Hilfe wird er jedoch für immer kompliziert und unergonomisch schreiben. Beim Durchlesen der Hefte kann die Lehrkraft Schwierigkeiten bei der Motorik entdecken und daraufhin Kind und Eltern beraten – zu möglichen Tricks und Tipps kommen wir weiter unten. Ordnung und Lesbarkeit ist zusätzlich entscheidend für die heimische Nacharbeit oder Vorbereitung von Klassenarbeiten. Immer mehr Schülerinnen und Schüler können ihre eigene Schrift tatsächlich im Nachhinein nicht mehr lesen! Dass das eine negative Auswirkung auf den Schulerfolg hat, muss nicht weiter kommentiert werden.

Kognition

Neurowissenschaftler haben belegt, dass Handschreiben viele wichtige Hirnareale aktiviert.

Wenn man das Wort Apfel schreibe, höre man das Wort innerlich. Damit wird das Hör-Areal im Gehirn aktiviert, es entsteht ein Bild vor dem inneren Auge. Die Sehrinde wird aktiviert. Zusätzlich werden bei jedem Buchstaben viele unterschiedliche feinmotorische Impulse im Gehirn aktiviert. All diese Vorgänge sind beim Schreiben mit einer Tastatur äußerst reduziert (Wagner, Thomas: 2020)[6]. Ähnlich wie bei unserem Blogeintrag „Wortschatzarbeit“, trägt Schreiben auch zu einer besseren Gedächtnisleistung bei. Dies ist bestätigt durch das Mercator-Institut (News4Teachers). Dennoch soll das Tastaturschreiben nicht verteufelt werden. Insbesondere für schwache Handschreiber stellt es eine angenehme Abwechslung und Entlastung dar und auch im Berufsalltag ist das Schreiben mit Tastatur von immer größerer Bedeutung. Dementsprechend wird idealerweise beides trainiert.

Handschrift und Schulerfolg –  Der Verdacht auf eine Korrelation ist groß

Abb.1: Schreibmotorik Institut (2019). Internet: https://www.schreibmotorik-institut.com/images/STEP_Studie_2019.pdf (08.05.2022)

Die Handschrift bleibt das wichtigste Instrument in der Schule. Sogar die IPad-Klassen schreiben weiterhin mit der Hand, eben auf dem Tablet. Das heißt: Nicht nur wegen den oben angeführten formalen Gründen und der Förderung der Kognition bleibt die Handschrift zentral. Kinder, die schriftliche Aufgaben nur mit Mühe bearbeiten können, sind somit täglich mit Frustration konfrontiert. Geht es so weit, dass Schülerinnen und Schüler ihre eigene Schrift nicht mehr problemlos entziffern können, sind sie „schulisch benachteiligt“ (Schulze Brüning, Maria-Anna: 2013)[7]. Wie in Abbildung eins zu sehen, beobachten Lehrkräfte bei Defiziten in der Handschrift negative Auswirkungen auf Textverständnis, Lesen, schulische Leistung insgesamt, Textproduktion und Rechtschreibung. Fast alle Klassenarbeiten beinhalten die Lektüre eines Textes (Lesen), das Verstehen eines Textes (Textverständnis) und eine daraufhin folgenden Textproduktion (Texte verfassen). In fast allen Fächern wird die Rechtschreibung in irgendeiner Form mit in die Notenfindung eingeschlossen. Einen sinnvollen und argumentativ stringenten Text kann man nur verfassen, wenn man seine Gedanken organisiert zu Papier bringen kann. Dazu gehört, dass man seine schon niedergeschriebenen Gedanken problemlos mit neuen verknüpfen kann. Wer jedoch Schwierigkeiten hat, seine eigene Schrift auf Anhieb lesen zu können, verliert erstens Zeit und Energie und zweitens seinen roten Faden. Die Konsequenz ist, dass sich inhaltliche Lücken auftun, sprachliche Defizite zeigen und die Rechtschreibung aufgrund der ganzen anderen Baustellen auch noch leidet. Wird außerdem noch mit Kuli anstatt mit Füller geschrieben, können die vielen Satzruinen nicht sauber weggekillert werden und der Text sieht zudem äußerst unsauber aus, was einen Punktabzug bei der äußeren Form nach sich zieht.

Neben fachlichen Lücken entwickelt sich nach einiger Zeit zudem eine Abneigung gegenüber Schule insgesamt, was wiederum den Beginn einer Abwärtsspirale darstellt. Wie bei Lukas Beispiel deutlich wird, vermuten Lehrkräfte und Eltern häufig eine „mangelnde Anstrengungsbereitschaft“ (ebd.). Im Laufe der Abwärtsspirale empfinden diese Kinder, die sich ja (zumindest zu Beginn) durchaus anstrengen, ihr Schreibproblem als persönlichen Fehler und als Schwäche. Der sich immer weiter aufstauende Frust wird jedoch häufig nicht nur auf die Schule projiziert, sondern belastet zunehmend die Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind – denn Schreiben kann doch wohl nicht so schwer sein. Doch! Für einige Schüler schon. Denn Probleme beim Schreiben weniger Buchstaben („e“, linksbögige Buchstaben wie das „c“ und das Schleifen-s) genügen, um 44,5% eines handgeschriebenen Textes unsauber aussehen zu lassen (vgl. ebd.).

Tipps und Tricks

  • Lassen Sie ihr Kind einen Probetext von 3-4 kurzen Sätzen schreiben und analysieren sie die Handschrift gemeinsam:
    • Differenziert Ihr Kind zwischen großen und kleinen Buchstaben?
    • Beobachten Sie eine umständliche Federführung?
    • Gibt es viele Schnörkel, die ein zeiteffizientes Schreiben verhindern?
    • Sind einzelne Buchstaben besonders schwer zu entziffern?
    • Gibt es deutliche Unterlängen bei z.B. den Buchstaben g, j, p etc.? Wird auf der Grundlinie geschrieben?
    • Wird Abstand zwischen einzelnen Wörtern gelassen?
    • Legt es an der Mittellinie immer einen zeitfressenden Stopp ein oder kann es die Schreibbewegung reibungslos fortführen?

Lassen sich Schwierigkeiten erkennen, besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie es diese gerne ändern möchte – denn wie oben schon ausgiebig erklärt, geht es darum, dass jeder Schreiber seine individuelle effiziente Schrift entwickelt, losgelöst von Vorgaben der Druck- oder Schreibschrift.

  • Good to know: Fünftklässler sollten in der Lage dazu sein, 50-55 Buchstaben in einer Minute schreiben zu können.
  • Der Fokus bei der Analyse sollte auf dem kleinen „e“, dann auf den linksbögigen Buchstaben und schließlich auf dem kleinen „s“ liegen.
  • Arbeiten sie mit Übungswörtern mit vielen der o.g. Buchstaben.
  • Wechseln Sie bei Bedarf zu einem Schleifen-„e“ (Schreibbewegung von Grundlinie zum Mittelband, an dem eine Linksschleife geschrieben wird, die wiederum zur Grundlinie zurückführt.)
  • Bei allen c-welligen Buchstäben (c,g,o, q etc.) soll laut Schreibschrift mit einem Bogen nach rechts gestartet werden, um dann auf derselben Linie zurückzuschwingen. Diese Federführung ist recht herausfordernd und sieht oft unsauber aus. Bei diesen Buchstaben sollte in Betracht gezogen werden, auf die Druckschrift zurückzugreifen.
  • Bei Verwechslungsgefahr von „b“ und „l“ in ihrer Schreibschriftform, ist beim „b“ auch die Druckschrift ratsam.
  • Beim Üben steht die Funktionalität, also die Lesbarkeit, im Vordergrund. Das Schreibbild des Kindes sollte zum Wohle seiner Motivation nicht ständig mit einem Idealschriftbild verglichen werden. Eher sollten alte und neue Schreiberzeugnisse des Kindes verglichen werden und die gelungenen Sätze bunt hervorgehoben werden, sodass ein Fortschritt sichtbar gemacht wird. (vgl. ebd.)
  • Basteln, malen und kochen machen nicht nur Spaß, sondern trainieren auch die Feinmotorik der Kinder. Nehmen Sie sich gemeinsame Projekte vor.
  • Ein spezielles Schreibtraining ist in einigen Fällen auch ratsam.
  • Ergotherapie verbessert nicht nur die Konzentrationsfähigkeit unserer Kinder, sondern auch ihre Motorik. (vgl. Welt)[8]

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[1] Haas, Christine (2019): „Kinder bekommen Handkrämpfe bei längeren Aufsätzen“. Welt. Internet: https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article191585215/Handschrift-So-schlecht-sind-deutsche-Schueler.html (08.05.22)

[2] Schreibmotorik Institut (2019). Internet: https://www.schreibmotorik-institut.com/images/STEP_Studie_2019.pdf (08.05.2022)

[3] Rüschemeyer, Georg (2015): Abschied vom Schnörkel. FAZ. Internet: https://www.faz.net/aktuell/wissen/forschung-politik/abschied-von-der-schreibschrift-13375943.html (08.05.22)

[4] Grundschul-Blog. Klett. Internet: https://grundschul-blog.de/wegweiser-durch-den-schriften-dschungel/ (08.05.22)

[5] News4Teachers. Das Bildungsmagazin (2019): Soll die Handschrift in er Schule trotz Digitalisierung noch vermittelt werden? Sprachwissenschaftler: Handschreiben bleibt wichtig!. Internet: https://www.news4teachers.de/2019/09/soll-die-handschrift-in-der-schule-trotz-digitalisierung-noch-vermittelt-werden-sprachwissenschaftler-sie-bleibt-wichtig/ (14.05.22)

[6] Wagner, Thomas (2020): Tag der Handschrift: Schüler sollten so oft wie möglich mit der Hand schreiben. In: Deutschlandfunk Kultur. Internet: https://www.deutschlandfunkkultur.de/tag-der-handschrift-schueler-sollten-so-oft-wie-moeglich-100.html (14.05.22)

[7] Schulze Brüning, Maria-Anna (2013): Lupe auf die Vereinfachte Ausgangschrift – VA. Internet: https://www.handschrift-schreibschrift.de/app/download/33016192/Schulze+Br%C3%BCning_Lupe+auf+die+VA.pdf (15.05.22)

[8] Haas, Christine (2019): „Kinder bekommen Handkrämpfe bei längeren Aufsätzen“. Welt. Internet: https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article191585215/Handschrift-So-schlecht-sind-deutsche-Schueler.html (08.05.22)

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