Lernen mit Freude und Leidenschaft – ein Weg zu besseren Lernerfolgen im Sinne der positiven Pädagogik
Veröffentlicht am 09.01.2026
Förderung nachhaltiger Lernergebnisse auf der Grundlage von Wohlbefinden, angenehmen Lernumgebungen und intrinsischer Motivation.
Lustvolles Lernen? – Für viele Schülerinnen / Schüler ein Widerspruch in sich
Lernen mit Lust und Freude – inwieweit ist dies unter den Bedingungen des klassischen staatlichen Schulsystems überhaupt möglich? Mag sein und es bleibt zu hoffen, dass es sie wirklich gibt, die Spezies der hochmotivierten Schülerinnen und Schüler, die das Bildungsangebot des Regelschulbetriebs als echte Chance fürs Leben begreifen und denen Lernen mit Wissbegierde und Begeisterung nicht fremd ist. Tatsächlich empfinden aber wohl viele den Schulunterricht eher als eine Art lästiger Pflicht. Sie verbinden mit ihrem Schulalltag Aspekte, wie Notenstress, Prüfungsangst und Lehrplandruck. Auch in sozialer Hinsicht erzeugt unser vorherrschendes System unter den Mitschülerinnen / Mitschülern wohl mitunter mehr Konkurrenz als Kooperation.
Die Potenziale der Kindheit
Dabei tragen wir doch alle beginnend mit der frühen Kindheit Potenziale zur Lernbereitschaft in uns. Denn Neugier und Begeisterungsfähigkeit entsprechen eigentlich dem kindlichen Naturell. Kinder lassen sich leiten von ihrem natürlichen Drang, Wissenslücken zu schließen, den sie ja auch dringend benötigen, um die für sie noch fremde Welt zu erkunden. Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung belegen, dass 1/3 aller Menschen im Laufe Ihrer Kindheit zumindest vorübergehend ein ausgeprägtes Interesse für irgendein Thema entwickeln. Typische Beispiele für Objekte, die im Fokus kindlicher Neugier stehen, sind etwa Dinosaurier, andere, heute noch lebende Tiere (Insekten, Haustiere, Vögel, Fische …), Natur- und Wetterphänomene, Fahrzeuge etc. Als Anschauliche Metapher für den kindlichen Forschungsdrang dient oft der Vergleich der Interessensgebiete eines Kindes mit einem „Rabbit Hole“ (<dt.> Kaninchenbau), also einer Art verzweigtem Tunnelsystem, in dem sich nach Herzenslust buddeln und immer wieder Neues entdecken lässt. ® Könnte dies nicht eine mögliche „Blaupause“ auch für die Entwicklung von Lernstrategien im späteren Leben (Schule, Beruf, Alltag) darstellen? Liegen hier nicht gewaltige Chancen?
Die veränderte Lebensphase ab dem Schulbeginn
Leider bewirkt lt. Entwicklungspsychologen häufig ausgerechnet der Schuleintritt eine Eindämmung des angeborenen, kindlichen Erkenntnisdrangs.
Mögliche Gründe hierfür sind beispielsweise: zu starre vorgegebene Strukturen (Lernpläne etc.), zu wenig Zeit der Lehrkräfte, um auf individuelle Fragen und Interessen einzugehen. An die Stelle eigener (intrinsischer) Entdeckungsfreude treten extrinsische (von außen her gesteuerte) Lernmotivatoren, wie insbes. der durch Noten ausgeübte Druck und Zwang, oft damit verbundene Versagensängste etc. Zwar entspricht „Pflichtlernen“ dem Wesen des klassischen Schulbetriebes und lässt sich wohl nicht ganz vermeiden. Jedoch bringt Lernen mit Freude und aus eigenem Interesse mehr Wohlbefinden und erwiesenermaßen auch mehr Lernerfolg (höhere Behaltensquote, tiefere geistige Durchdringung eines Themas) hervor.
Immerhin versuchen moderne Pädagogen, solchen Aspekten auch im staatlichen Schulunterricht wenigstens teilweise Rechnung zu tragen, etwa durch die Förderung von Projektarbeiten oder die freie Auswahl von Referatsthemen.
Welche Prozesse vollziehen sich in unserem Gehirn, wenn Lernen auf Freude und hoher Eigenmotivation basiert?
Wie ein „Glücksbote“ wirkt der Neurotransmitter Dopamin, der vom menschlichen Gehirn (u. a. in der Substantia Nigra) bei der Erwartung und dem Erleben von Erfolg und Freude ausgeschüttet wird. Als interessant und wichtig erscheint, dass er nicht nur bei Belohnung, sondern vor allem bei der Aussicht auf Belohnung freigesetzt wird und uns so zu weiterer Aktivität und zum Verfolgen von Zielen antreibt (z. B. beim Sport, oder beim geistigen Erforschen von Sachverhalten). Es verstärkt die Aufmerksamkeit auf positive Aspekte, verankert Erfolgserlebnisse im Gedächtnis und schafft den Drang, weiterzumachen (Vorfreude). Verantwortlich für den Zustand der Euphorie beim Erreichen der angestrebten Ziele sind übrigens – entgegen früherer wissenschaftlicher Thesen – wiederum andere körpereigene Opiate und Hormone verantwortlich, wie z. B. das Oxytocin. In Bezug auf die Adaption von Bildung: fungiert Dopamin als Lernbeschleuniger. Intrinsische Motivatoren, die die Freisetzung von Dopamin stimulieren, sind z. B.: Neugier, Interesse und das Gefühl von Fortschritt und Selbstwirksamkeit. Ein weiterer, sich verstärkend auswirkender Aspekt in Hinblick auf die intrinsische Motivation ist gemäß der Selbstbestimmungstheorie (SDT) von Edward L. Deci und Richard M. Ryan für viele Lernende das Gefühl von Autonomie im Lernprozess: Lernen aus eigenem Antrieb anstatt unter Druck und Zwang. Nachweisliche Erfolgsfaktoren intrinsischer Lernmotivation sind eine tiefere Identifikation mit dem Lernstoff und bessere Behaltensleistungen. Die Leistungsbereitschaft wird insgesamt höher. Ein nicht zu unterschätzender Gesichtspunkt ist auch, dass Lernen mit Freude und aus eigenem Antrieb zu einer Steigerung des Wohlbefindens beim Lernenden führt und somit auch zumindest partiell seiner Lebensqualität.
Extrinsische Belohnungen (Noten, Leistungsnachweis, finanzieller Lohn) wirken dagegen oft nur kurzfristig oder können sogar kontraproduktiv sein, indem sie den Effekt intrinsischer Belohnungen überlagern und verdrängen. Einige Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen auch mit dem ansonsten auch aus der Volkswirtschaftslehre bekannten Begriff „Crowding-out-Effekt“ (<dt.> Verdrängungseffekt). Erst recht als verhängnisvoll erweisen sich naheliegenderweise negative extrinsische Einflussfaktoren, wie Druck, Angst oder Bestrafung. Hirnforscher, wie etwa der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther, beweisen auf der Grundlage von Hirnscans, dass Druck eine Blockade der Frontallappen erzeugt, die einem erfolgreichen Lernprozess entgegenwirkt.
Wie lässt sich Spaß am Lernen ganz konkret realisieren, insbesondere auch im außerschulischen Bereich und in der Nachhilfe?
Die Erfahrung lehrt und zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Entdeckung und Entfaltung von kreativen Potentialen am besten in angenehmen Lernumgebungen bei gelöster Stimmung, in freien Räumen mit unverplanter Zeit und auf der Grundlage beglückender Lernerfahrungen gelingt.
Ein weiterer wichtiger Faktor in Bezug auf Lerneffizienz ist ferner die soziale Interaktion. Als besonders förderlich haben sich Lernszenarien erwiesen, in denen Menschen mit unterschiedlichen, sich einander ergänzenden Fähigkeiten unter gegenseitiger Wertschätzung, also konkurrenzfrei, an gemeinsam gesetzten und von allen als wirklich erstrebenswert erachteten Zielen bzw. Visionen zusammenarbeiten. Der Wissenschaftler Dr. Olaf-Axel Burow, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel, bezeichnet solche Konstellationen als „Kreative Felder“.
Da unsere Möglichkeiten, auf die Unterrichtsgestaltung des staatlich reglementierten Schulsystems Einfluss zu nehmen, nun einmal recht begrenzt sind, welche konkreten Maßnahmen also können etwa Eltern, Therapeuten oder Nachhilfelehrkräfte ergreifen, um wenigstens im privaten, außerschulischen Umfeld, für Kinder und Jugendliche positiv besetzte, angenehme Lernumgebungen zu schaffen und deren Kreativität, Eigeninitiative und Neugier zu fördern?
Hier einige Anregungen:
- Nahezu immer gut eignet sich der Einbau spielerischer Elemente in den Lernalltag. Denn sie kommen dem uns Menschen und insbesondere natürlich Kindern innewohnenden natürlichen Spieltrieb entgegen, wirken motivationssteigernd und präsentieren den Lernstoff in einer sympathischen, aufgelockerten Form. Beispiele: Die von verschiedenen Verlagen angebotenen Lernkartenspiele (fördern zugleich den sozialen Austausch), Lerncomics oder praktische Lernspiele bzw. Anschauungsmaterial. Dem Ansatz der positiven Pädagogik entsprechen besonders die über diverse Online-Shops erhältlichen Montessori Lernmaterialien (Multiplikationsbrett, Perlenstäbchen, Baukastensysteme etc.).
- Lerninhalte in Fragen oder Geschichten „verpacken“: Fragen zu bestimmen Themengebieten, möglichst prägnant und offen formuliert (Warum? Wie? Welche Folge? Welche Annahmen? etc.), wirken aktivierend und wecken Neugier und Interesse. Beispielsweise wäre die Frage „Was würde mit unserer Welt passieren, wenn ein Supervulkan ausbrechen würde?“, sicherlich geeignet, um die kindliche Fantasie in die verzweigten Verästelungen eines oben erwähnten „Rabbit Hole“ einzutauchen zu lassen und in seinem Gehirn einen „Dopaminschub“ auszulösen.
Eine ähnliche Funktion haben Geschichten, in die man die Lösung eines Konflikts oder eines konkreten fachlichen Problems kleiden kann. Hilfreich ist hierbei die Herstellung eines Bezuges zum Alltag oder zu vertrauten Situationen. Denn dies erhöht nicht nur die Anschaulichkeit, sondern schafft auch Assoziationen, die in unserem Gehirn Synapsen, also Verbindungsstellen zwischen den Neuronen (Nervenzellen), aktivieren. Zugleich fördert das Erfinden bzw. Erzählen von Geschichten auch den Active Recall (<dt.> „aktives Erinnern“), der zwar anstrengender, aber erwiesenermaßen in Bezug auf die Behaltensleistung viel effizienter ist als etwa das bloße Lesen von Fachinformationen.
Hier stellvertretend ein konkretes Beispiel aus dem Bereich der Biologie (Zellaufbau):
„Erzähle eine Geschichte von einer Reise durch eine Zelle, als wärst du ein Forscher, der durch den Zellplasma-See schwimmt, Organellen sind Städte (Zellkern die Rathausstadt, Mitochondrien die Kraftwerke, Ribosomen die Bäckereien). ® Aufgabe: Welche Funktionen haben die Stationen?“ - Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen der / dem Lernenden und der Lehrperson. Gegenseitiges Vertrauen, emotionale Zugewandtheit der Lehrkraft und ein konstruktiver Umgang mit Fehlern schaffen ein Klima, das geeignet ist, das Selbstvertrauen der Schülerinnen / Schüler zu stärken, eigene Potenziale zu entdecken und eine positive Aufgeschlossenheit gegenüber dem Lernstoff zu erzeugen.
Das Nachhilfeinstitut „die hauslehrer“ ist stets bestrebt, in seiner 1:1-Nachhilfe genau diese Art von Lernklima zu realisieren – individuell, unterstützend und wertschätzend. - Auch Formen sozialen Lernens, wie die Bildung von Lerngruppen, z. B. zischen Schulkameraden, Freunden, Nachbarn, Verwandten etc. können durchaus zielführend sein. Denn Schülern / Schülerinnen bereitet Lernen in Verbindung mit sozialer Interaktion oft mehr Freude als stundenlang „mutterseelenallein“ und stumm vor dem eigenen Schreibtisch zu sitzen. Auch kann ein gegenseitiger Austausch dem Verständnis und der Behaltensleistung durchaus förderlich sein. Im günstigsten Fall spornen sich die kooperierenden Schüler / Schülerinnen gegenseitig an und motivieren einander. Besteht nicht die Chance, dass hierbei im kleinen Rahmen „kreative Felder“ entstehen? Allerdings sollte bei der Zusammenstellung solcher Lerngemeinschaften darauf geachtet werden, dass die Auswahl der teilnehmenden Jugendlichen in Hinblick auf deren Leistungsbereitschaft, Sozialverhalten etc. auch wirklich eine funktionierende, konstruktive Zusammenarbeit zulässt. In der Regel sollten die Eltern hinreichend in der Lage sein, dies zu beurteilen. Evtl. ist diesbezüglich auch ein wenig Anleitung bzw. Führung der Lerngruppe durch die Erwachsenen gefordert.
- Nicht zuletzt können Farben, Licht und Struktur maßgeblich zu einer positiven, konstruktiven Lernumgebung beitragen. So bildet ein aufgeräumter Arbeitsplatz sicher eine gute Voraussetzung für entspanntes und dennoch effektives Lernen sowie für die Entfaltung von Kreativität. Denn Ordnung reduziert kognitive Überlastung. Sichtbare Lernziele: Anschläge oder Poster mit kurzen Lernziel- bzw. Aufgabenübersichten unterstützen die Selbststeuerung. Sanfte, harmonische Farbtöne im Lernzimmer (z. B. Pastellblau, sanftes Grün, warme Neutraltöne) fördern Ruhe und Konzentration, ebenso wie natürliche Materialien (Holz, Stoffe) und eine gleichmäßige Beleuchtung. Eine Orientierung an den Prinzipien der chinesischen Harmonielehre des „Feng Shui“ ist bei der räumlichen Ausstattung eines Arbeitszimmers natürlich kein Muss, aber sicherlich hilfreich.
Fazit: Klassische Tugenden, wie Disziplin, Pflichtbewusstsein und eine (wohldosierte) Reglementierung sind sicherlich auch aus dem modernen Schulalltag nicht völlig wegzudenken und haben weiterhin ihre Berechtigung. Dennoch sollten die überholten Prinzipien der „Angst- und Druck-Pädagogik“ ein Stück weit der Erkenntnis weichen, dass Eigenmotivation und Freude als Lernmotor Menschen glücklicher machen und dennoch oder auch gerade deshalb effizienter sind. Getreu dem Motto: „Lernlust statt Lernfrust“!
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Verwendete Literatur:
https://www.personalfitness.de/ratgeber/985/mit-dopamin-das-gehirn-austricksen.html
Bientzle, Hendrik: Motivation – Mit Dopamin das Gehirn austricksen (PersonalFitness.de), 2025.
https://www.claudia-boeschel.de/neugier-als-superkraft
Böschel, Claudia: Neugier als Superkraft (Blog).
Burgstaller, Jürgen: Vor- und Zurückspulen im Unterricht. Unterrichtsbezogene Lernvideos zum Fördern, Fordern und Motivieren im computergestützten Fachzeichenunterricht an der LBS Mureck. BACHELORARBEIT, eingereicht an der Pädagogischen Hochschule Steiermark.Graz, 2025.
Burow, Olaf-Axel: Herausragende Leistungen durch Lust & Leidenschaft im Kreativen Feld – In: Hackl, Armin [Hrsg.] u. a.: Werte schulischer Begabtenförderung. Begabung und Leistung. Frankfurt, M. : Karg-Stiftung 2012, S. 41-47 –
URN: urn:nbn:de:0111-opus-90311 – DOI: 10.25656/01:9031
[Fundstelle / Download-Link: https://www.pedocs.de/frontdoor.php?source_opus=9031]
Grüling, Birk. Wie Eltern helfen können. Kindliche Neugier: Ab ins Rabbit Hole – zumindest bis die Schule beginnt. RedaktionsNetzwerk Deutschland (rnD), 2025.
Ryan, Richard M. und Deci, Edward L.: Self-Determination Theory: Basic Psychological Needs in Motivation, Development, and Wellness. The Guilford Press, Copyright © 2017.
https://lexikon.stangl.eu/8672/dopamin
Stangl, W.: Dopamin. Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik, 2025, 22. Dezember.
