Vokabellernen gehört für die meisten Schülerinnen und Schüler zum Schulalltag. Ob Englisch, Französisch, Spanisch oder Latein: Die Vokabeln müssen regelmäßig gelernt werden, um langfristig im Gedächtnis zu bleiben. Eltern haben oft den Eindruck, dass ihr Kind viel Zeit mit Vokabellernen verbringen muss, um diese zu sichern. Aber nicht selten entsprechen die Ergebnisse nicht dem, was man sich erhofft hat. Selbst Vokabeln, die noch am Vortag gelernt wurden, können in der Schule nicht immer sicher abgerufen werden, wenn es darauf ankommt.
Das Problem muss aber nicht sein, dass zu wenig gelernt wurde. Entscheidend ist auch das Wie! Wurden Vokabeln mit den richtigen Methoden erarbeitet und gesichert? Denn nicht für jede Schülerin und jeden Schüler sind Lesen und wiederholtes Aufsagen eine geeignete Herangehensweise. Wer Lerntricks einsetzt und unterschiedliche Wahrnehmungswege miteinander verbindet, erleichtert sich das Lernen.
Eine Möglichkeit hierfür liegt in der Visualisierung der Lerninhalte. Farben, Markierungen, Mindmaps, Bilder – alle Visualisierungstechniken helfen auf ihre eigene Art, Lerninhalte übersichtlicher darzustellen und neue Informationen mit vorhandenem Wissen zu verknüpfen.
Warum fällt Schülern das Vokabellernen schwer?
Bei einer Fremdsprache müssen die Schülerinnen und Schüler kontinuierlich ihren Wortschatz erweitern und beherrschen.
Wenn auch zu Beginn einer neuen Fremdsprache eine vergleichsweise überschaubare Anzahl an Wörtern, nimmt die Menge der behandelten Vokabeln mit jedem Schuljahr zu.
Eine Vokabel einmal richtig übersetzen zu können, kann der Anfang sein.
Um diese dann für Wochen und Monate abrufen zu können, werden die entsprechenden Methoden relevant, darunter auch Visualisierungen.
Neben der Vokabel selbst kommen je nach Sprache noch die Schreibweise, Aussprache und die grammatischen Besonderheiten dazu. Oftmals entscheiden auch alternative Bedeutungen des Wortes oder die Verwendung innerhalb des Satzes über die richtige Übersetzung.
Daraus wird ersichtlich, warum das bloße Auswendiglernen der Vokabelliste nicht ausreicht.
Die Schülerinnen und Schüler brauchen also Methoden, mit denen sie die neuen Wörter auch dann noch abrufen können, wenn sie nicht gerade vor der Vokabelliste sitzen. Das ist gerade dann wichtig, wenn beim Lernen bereits einige Misserfolge dazugekommen sind. Denn wer immer wieder übt und trotzdem schlechte Ergebnisse bekommt, kann irgendwann eine richtige Lernblockade entwickeln.
Deshalb sollten Eltern nicht nur darauf schauen, wie viele Vokabeln ihr Kind am Tag gelernt hat. Wo liegen denn eigentlich die Schwierigkeiten? Und würde vielleicht eine andere Lernmethode besser funktionieren? Mit solchen Fragen beschäftigt sich auch unser Blogbeitrag „Lernblockaden überwinden – Tipps für Eltern und Schüler“.
Vokabeln richtig lernen: Visualisierung als Lernmethode
Was bedeutet Visualisierung überhaupt? Die Lerninhalte werden hierbei nicht nur in Form eines geschriebenen Textes dargestellt. Man ergänzt sie zum Beispiel durch Farben, Bilder, Symbole oder eine bestimmte Anordnung auf dem Blatt.
Das lässt sich auch auf das Vokabellernen übertragen. Manche Wörter werden farbig hervorgehoben. Andere werden in einer Mindmap zusammengetragen oder durch ein kleines Bild ergänzt. So können Zusammenhänge zwischen einzelnen Begriffen deutlicher werden, die man beim bloßen Lesen einer Liste vielleicht gar nicht bemerkt hätte.
Aber auch hier kommt es darauf an, wie man die Methode einsetzt. Eine Vokabelseite mit möglichst vielen Farben und Zeichnungen ist nicht automatisch eine gute Lernhilfe. Im Gegenteil: Wenn alles hervorgehoben wird, weiß man am Ende möglicherweise gar nicht mehr, worauf man eigentlich achten soll.
Vokabeln mit Farben und Markierungen besser merken
Mit Farben und Markierungen kann man bereits sehr viel machen. Die Idee dahinter ist, bestimmte Informationen gezielt hervorzuheben und dafür ein festes System zu verwenden. Wörter, die dem Kind noch schwerfallen, bekommen beispielsweise eine andere Farbe als die Vokabeln, die es schon sicher beherrscht.
Auch die Grammatik lässt sich so ordnen. Man könnte Verben, Substantive und Adjektive jeweils unterschiedlich markieren. Welche Farbe dabei wofür steht, ist nicht so wichtig. Das Kind sollte sich aber merken können, was die einzelnen Farben bedeuten, und dieses System dann auch beibehalten.
Eine Markierung soll schließlich auf etwas aufmerksam machen. Wenn allerdings fast jedes Wort auf der Seite bunt ist, fällt am Ende nichts mehr besonders auf. Deshalb gilt auch beim Vokabellernen: Mehr Farben bedeuten nicht unbedingt, dass man sich mehr merkt.
Für den Anfang können schon zwei Farben reichen. Grün steht zum Beispiel für Vokabeln, die bereits sicher sitzen. Orange markiert die Wörter, die noch geübt werden müssen. So sieht das Kind auf einen Blick, wie weit es beim Lernen ist.
Vokabeln mit Mindmaps lernen
Eine andere Möglichkeit sind Mindmaps. Mit ihnen lassen sich Begriffe nach Themen ordnen und miteinander verbinden. Das ist ein Unterschied zur üblichen Vokabelliste, bei der die Wörter einfach untereinanderstehen.
Wie könnte das aussehen? Nehmen wir das Thema „Stadt“. In die Mitte des Blattes schreibt man diesen Oberbegriff. Von dort aus gehen einzelne Bereiche ab, etwa Gebäude, Verkehr, Personen und Freizeit. Die passenden Vokabeln werden anschließend diesen Bereichen zugeordnet.
Die Wörter werden dadurch nicht mehr nur einzeln gelernt. Die Schülerinnen und Schüler sehen auch, welche Begriffe zusammengehören. Gleichzeitig müssen sie sich beim Erstellen der Mindmap überlegen, wo sie eine Vokabel überhaupt einordnen würden. Das Ordnen selbst wird also schon zu einer Lernaufgabe.
Am besten erstellt das Kind die Mindmap deshalb eigenständig. Denn es macht einen Unterschied, ob man sich eine fertige Übersicht anschaut oder die Begriffe selbst aufschreibt und miteinander verbindet. Welche Rolle das handschriftliche Arbeiten beim Lernen spielt, erklären wir auch in unserem Beitrag „Warum mit der Hand schreiben so wichtig ist“.
Vokabeln lernen mit Bildern
Nicht jede Vokabel muss ausschließlich als Wort auf dem Papier stehen. Man kann sie auch mit einem Bild verbinden. Gerade bei Gegenständen, die sich leicht zeichnen lassen, bietet sich das an. Neben dem englischen Wort „apple“ könnte beispielsweise ein Apfel stehen. Auch bei Haus, Auto, Baum, Hund oder Tisch lässt sich die Bedeutung schnell bildlich darstellen.
Bei anderen Wörtern wird das schon schwieriger. Wie zeichnet man beispielsweise einen abstrakten Begriff? Hier können die Schülerinnen und Schüler eigene Symbole oder kleine Situationen erfinden, die sie mit dem Wort in Verbindung bringen.
Dafür muss niemand besonders gut zeichnen können. Eine einfache Skizze reicht aus, solange das Kind selbst weiß, was damit gemeint ist. Entscheidend ist die Verbindung zwischen dem Bild und der Vokabel.
Das Wort wird dann nicht mehr nur über seine deutsche Übersetzung gelernt. Es kommt noch eine bildliche Vorstellung dazu. Ob diese Methode gut funktioniert, können Eltern gemeinsam mit ihrem Kind ausprobieren.
Eselsbrücken mit Bildern kombinieren
Auch Eselsbrücken lassen sich mit Bildern verbinden. Bei einer Eselsbrücke verknüpft man eine Information, die man sich schlecht merken kann, mit etwas Bekanntem. Das kann ein ähnlich klingendes Wort sein, ein kurzer Satz oder auch eine kleine Geschichte.
Manchmal bleiben gerade ungewöhnliche Vorstellungen besonders gut hängen. Wenn das Kind eine solche Vorstellung zusätzlich zeichnet, hat es neben der sprachlichen Eselsbrücke noch ein Bild, an das es sich erinnern kann.
Natürlich wäre es sehr aufwendig, für jede einzelne Vokabel eine eigene Eselsbrücke zu entwickeln. Das ist auch gar nicht nötig. Bei Wörtern, die ohnehin nach wenigen Wiederholungen sitzen, kann man darauf verzichten. Interessant wird diese Methode vor allem bei Vokabeln, die ständig vergessen oder miteinander verwechselt werden.
Nicht alle Vokabeln gleich häufig wiederholen
Ein weiterer Punkt ist die Wiederholung. Häufig werden alle Wörter einer Vokabelliste immer wieder von vorne bis hinten gelernt. Dabei können die Schülerinnen und Schüler manche Vokabeln längst sicher übersetzen, während sie bei anderen noch überlegen müssen.
Stellen wir uns vor, ein Kind lernt 30 Vokabeln. Nach einigen Durchgängen beherrscht es 20 davon bereits gut. Zehn Wörter machen weiterhin Schwierigkeiten. Wäre es jetzt sinnvoll, jedes Mal alle 30 Vokabeln gleich lange zu üben? Ein großer Teil der Zeit würde dann für Wörter verwendet werden, die das Kind ohnehin schon kann.
Deshalb sollten die schwierigen Vokabeln häufiger drankommen. Die sicheren Wörter werden nicht vergessen, aber erst in größeren Abständen wieder überprüft. Hier kann das System mit den Farben von vorhin helfen.
Die noch unsicheren Wörter werden markiert und gezielt geübt. Kann das Kind eine Vokabel mehrfach richtig übersetzen, wird sie zu den sicheren Wörtern gezählt. So lässt sich die Wiederholung ohne besonders großen Aufwand organisieren (vgl. das Karteilernsystem von “die hauslehrer”).
Vokabeln nicht nur ansehen, sondern aktiv abrufen
Es gibt einen Unterschied zwischen dem Wiedererkennen einer Vokabel und dem tatsächlichen Abrufen ihrer Bedeutung. Beim wiederholten Lesen einer Vokabelliste kommt einem irgendwann Vieles bekannt vor. Die Übersetzung steht ja direkt daneben.
Bei einem Vokabeltest sieht das anders aus. Dort muss der Schüler die Bedeutung selbst wissen, ohne dass es die Lösung gleich mitlesen kann. Deshalb reicht es nicht aus, die Wörter immer wieder nur anzuschauen. Sie müssen auch ohne Hilfestellung abgefragt werden.
Dafür eignen sich beispielsweise Vokabelkarten. Auf einer Seite steht das fremdsprachige Wort, auf der anderen die deutsche Übersetzung. Erst wenn das Kind selbst geantwortet hat, dreht es die Karte um und überprüft seine Antwort (vgl. das Karteilernsystem von “die hauslehrer”).
Auch Eltern können beim Abfragen helfen. Dabei muss aber nicht jede falsche Antwort gleich zu Frust oder Kritik führen. Schließlich soll das Abfragen zunächst zeigen, welche Wörter schon sicher beherrscht werden und wo noch geübt werden muss.
Unterschiedliche Lernmethoden miteinander kombinieren
Es gibt nicht die eine Lernmethode, die für alle Schülerinnen und Schüler gleich gut funktioniert. Manche Kinder merken sich Wörter besser, wenn sie Bilder dazu sehen. Andere schreiben die Vokabeln lieber auf oder sprechen sie laut aus.
Warum also nicht mehrere Methoden miteinander verbinden? Ein Wort kann zunächst gelesen und ausgesprochen werden. Anschließend schreibt das Kind es auf, ordnet es einer Mindmap zu und versucht später, die Bedeutung ohne Hilfe abzurufen. So beschäftigt es sich auf verschiedene Arten mit derselben Vokabel.
Auch Bewegung kann dabei eine Rolle spielen. Man könnte die Vokabelkarten beispielsweise im Zimmer verteilen oder zwischen zwei Lerneinheiten eine kurze Bewegungspause machen. Weitere Ideen dazu finden Eltern in unserem Blogbeitrag „Bewegtes Lernen – ein Schlüsselkonzept für entspanntes Lernen zuhause“.
Wie Eltern beim Vokabellernen unterstützen können
Eltern müssen nicht selbst zur Lehrkraft werden, um ihr Kind beim Vokabellernen zu unterstützen. Schon eine vernünftige Einteilung der Lernzeit kann helfen. Statt am Abend vor dem Vokabeltest eine große Menge an Wörtern auf einmal zu lernen (massiertes Lernen), kann man die Vokabeln auf mehrere Tage und kleinere Einheiten verteilen.
Außerdem lohnt es sich, gemeinsam zu schauen, welche Methoden dem Kind liegen. Merkt es sich Wörter besser, wenn es sie aufschreibt? Helfen Bilder oder Mindmaps? Sind Eselsbrücken bei schwierigen Vokabeln sinnvoll? Oder lernt das Kind konzentrierter, wenn es sich zwischendurch bewegt?
Es kommt dabei nicht darauf an, möglichst viele neue Lerntricks einzusetzen. Entscheidend ist, ob die gewählte Methode dem Kind tatsächlich hilft.
Natürlich können hinter anhaltenden Schwierigkeiten auch andere Ursachen stecken. Probleme beim Lesen, Schreiben oder mit der Merkfähigkeit können das Vokabellernen zusätzlich erschweren. Wenn sich solche Schwierigkeiten über einen längeren Zeitraum zeigen, sollte man deshalb genauer hinschauen. In unserem Beitrag „Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche – Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können“ gehen wir auf entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten ein.
Wann Nachhilfe beim Vokabellernen helfen kann
Dass Schülerinnen und Schüler hin und wieder eine Vokabel vergessen, ist erst einmal nichts Ungewöhnliches. Deshalb braucht auch nicht jedes Kind sofort Nachhilfe, wenn ein Vokabeltest einmal schlechter ausgefallen ist.
Anders sieht es aus, wenn sich über längere Zeit größere Lücken ansammeln. Gerade in den Fremdsprachen wird schließlich immer wieder auf den Wortschatz aus den vorherigen Schuljahren zurückgegriffen. Fehlen wichtige Wörter, können auch neue Texte und Aufgaben zunehmend schwerer werden.
Nachhilfe sollte dann aber nicht nur bedeuten, dass möglichst viele Vokabeln abgefragt werden. Zunächst muss man herausfinden, warum die bisherigen Lernmethoden nicht ausreichend funktioniert haben.
Eine Nachhilfekraft kann gemeinsam mit der Schülerin oder dem Schüler unterschiedliche Herangehensweisen ausprobieren. Das können Vokabelkarten sein, Markierungen, Mindmaps, Bilder oder Eselsbrücken. Anschließend wird mit den Methoden weitergearbeitet, die dem Kind am meisten helfen.
Das Ziel sollte sein, dass die Schülerinnen und Schüler mit der Zeit auch ohne Unterstützung besser lernen können. Denn Nachhilfe soll nicht nur beim nächsten Vokabeltest helfen, sondern auch den eigenständigen Umgang mit dem Lernstoff verbessern.
Fazit
Wer sich Vokabeln besser merken möchte, muss also nicht automatisch mehr Zeit mit Lernen verbringen. Oft lohnt es sich zunächst, die bisherige Lernmethode zu überprüfen.
Farben und Markierungen können dabei helfen, wichtige Wörter hervorzuheben. Mit Mindmaps lassen sich Begriffe ordnen und miteinander verbinden. Bilder wiederum können eine zusätzliche Erinnerung an die Bedeutung einer Vokabel schaffen.
Allerdings sollte man diese Hilfsmittel bewusst einsetzen. Wenn zu viele Informationen auf einmal markiert oder mit Symbolen versehen werden, kann die Übersichtlichkeit auch wieder verloren gehen.
Eltern können mit ihrem Kind verschiedene Methoden ausprobieren und gemeinsam beobachten, womit das Lernen am besten klappt. Es müssen nicht möglichst viele Lerntricks gleichzeitig sein. Eine einfache Methode, die das Kind regelmäßig nutzt, kann sinnvoller sein als ein aufwendiges System, das nach wenigen Tagen wieder aufgegeben wird.
Wenn größere Schwierigkeiten bestehen bleiben, kann auch professionelle Nachhilfe unterstützen. Gute Nachhilfe beschäftigt sich nicht nur mit den aktuellen Vokabeln, sondern auch damit, wie die Schülerinnen und Schüler in Zukunft selbstständiger lernen können.
Denn Vokabeln zu lernen ist nicht nur für die nächste Klassenarbeit wichtig. Wer geeignete Lernstrategien entwickelt, kann diese später auch in anderen Fremdsprachen und Schulfächern einsetzen.
